Tag: 11. Juni 2026

  • 11. Juni 2026

    Kater in Lasagne und Spiegel des Lebens

    Das eigene Spiegelbild als das umgekehrte Selbst zu erkennen, ist manchmal gar nicht so einfach. Weil es so fremd erscheint. Und auch deplatziert. Ich liebe Lasagne. Also natürlich nicht ganz so wie mein berühmter Comic-Kater-Vertrauter Garfield. Aber den Käse oben, den mal naschen. Why not?

    Ich sitze also so vor dem Ofen in der Küche meines Reviers. Weil meine Bruna sich da gerade eine Lasagne brutzelt. Und was sehe ich da: Einen vollkommen erschrocken dreienblickenden weißen Kater in der Auflaufform. Klar – kurze Zeit später raffe ich: Das bin ja ich. Seitenverkehrt. Gespiegelt in der Ofentür. Aber: Kater im Ofen – nicht wirklich nice. Aber gar nicht so unrealistisch. Denke ich so. 

    Der mit seinem Freund Ian durch Österreich tourende Felix cruist an einer Fabrik vorbei, auf der auf einem Schild in großen Lettern steht: Schlachtstelle. Direkt daneben: Kläranlage. Und Felix so: „Die armen Tiere – und gleich daneben eine Kläranlage. Krass.“ Und ich so: Häh, was ist daran krass? Mach die Augen auf, Junge.

    Du frisst deutlich mehr Fleisch als ich und könntest dich anders als ich vegan ernähren. Das Fleisch muss ja irgendwoher kommen. Und wird dann von dir wieder abgeführt. Muss ja auch irgendwo hin. Nun, Felix und Ian erzählen, sie hätten heute ihre Tour auf einer Höhe von 2.000 Metern gestartet. 20 Zentimeter Neuschnee habe sie empfangen. Im Sommer.

    Und Felix so: War wie Mount Everest. Nur besser. Weil ich atmen konnte. Und dann, nachdem sie in Nebel gehüllt worden seien, den Pfad kaum mehr erkannten, habe sich neben ihnen ein großer Greifvogel aufgeschwungen. Sei vor ihnen geflogen, habe ihnen quasi den Weg gewiesen. Bevor er dann schemenhaft im Nebel versunken sei.

    Sie hätten dann einen Grat erreicht. Der scharfe Wind habe ihnen dann aber doch everest-mäßig den Atem genommen. Ziegen seien vor den Schneewehen ins Tal geflohen. Und trotzdem habe er plötzlich die vollkommene Einheit mit Wetter und Natur gespürt, erzählt Felix. Kontemplativer Rhythmus der Schritte in durchweichten Schuhen. Und dann, dann habe er die Welt wie in einem Spiegel von oben gesehen. So schön sei sie, die Welt, so verrückt die Menschen, auf der Welt. 

    Und ich gebe ihm Recht. Wie auch mein brutzelndes Spiegelbild auf der Lasagne. Welch herrlicher Kater. Denke ich so. Und ruhe in mir. Denn heute beginnt die Fußball-WM. Und das bedeutet Fernsehen. Was wiederum Chill-Atmo für mich bedeutet. Ob es so kommen wird? Leider ist selbst Fußball-Fanatiker Felix abgeturnt, weil es nur noch um Kohle zu gehen scheint.

    Der Weltfußballverband Fifa bietet auf seiner eigenen Tauschplattform Final-Tickets für zwei Millionen Dollar an. Zwei Millionen! Da sind dann die Parkplätze an den WM-Stadien in den USA geradezu günstig, sollen um die 250 Dollar pro Spiel kosten. Und ich denke so: Können diese Abzocker von der Fifa noch in den Spiegel schauen?

    Sehe mich dann wieder in der Lasagne brutzeln. Freue mich extrem aufs Partizipieren am Essen mit meiner Bruna. Sagt der hungrige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Spiegelt euch. Und chillt, Leute!