Tag: 27. April 2026

  • 27. April 2026

    Gefährliche Jobs, krasse Anschläge: Was Trump und mich eint

    Mein Job als schreibender Hauptstadtkater ist gefährlich. Weil ich dabei ja ständig den mächtigsten Mann der Welt lächerlich mache. Weil ich meine Leute – abgesehen von meiner Bruna – als ziemlich unterbelichtet darstelle. Weil ich über Köter und Coco wenig Schmeichelhaftes zu berichten habe. Und mir ist bewusst: So schaffe ich mir Feinde. Die mich zum Schweigen bringen könnten.

    Und obwohl ich kein ängstlicher Typ bin und auch nicht unter Verfolgungswahn leide: Ich hatte einen Alptraum. Auf dem Küchentisch. In der prallen Frühlingssonne. Zucke zusammen, weil ich dösend aus den Augenwinkeln etwas Schwarzes zucken sehe. Springe auf. Abwehrhaltung. Und merke erst dann: Mein Schatten ahmt mich nach. Gähn. 

    Der mächtigste Mann der Welt erlebt übrigens Ähnliches. In Sachen Gefahr. Nur in echt. US-Präsident Trump war mal wieder Ziel eines Anschlagversuchs. Der daneben ging. Aber nichtsdestotrotz für Aufregung sorgte. Und damit für – aus Trumps Sicht – gelungene Ablenkung vom Iran-Krieg, wo es derzeit keinen guten Exit-Weg für den US-Präsidenten zu geben scheint.

    Nun, bei einem Gala-Dinner im Washingtoner Hilton-Hotel mit den Hauptstadtjournalisten stürmte ein schwer bewaffneter Mann durch einen Sicherheitsposten des Secret Service. Er wurde dann zwar von Beamten gestoppt, bevor er in den Ballsaal gelangen konnte. Aber: Es fielen Schüsse. Ein Security-Mann wurde dabei leicht verletzt, der mutmaßliche Täter wurde nicht getroffen, aber überwältigt.

    Und der in Sicherheit gebrachte Trump sagt hernach – wieder mal als der strahlende Messias – er könne sich nicht vorstellen, dass es einen gefährlicheren Job gebe. Als seinen. Und ich denke so an seine Personenschützer. An ukrainische Soldaten an der Front. Dachdecker. Und Fischer. 

    Trump hat leider was Katerartiges an sich. Zumindest was die Legende mit den sieben Leben betrifft, die ein Kater haben soll. Trump wohl auch. Bei einer Wahlkampfveranstaltung vor rund anderthalb Jahren streifte Trump ein von einem Attentäter abgegebener Schuss leicht am Ohr. Kurz danach wurde ein Mann gefasst, der am Rande von Trumps Golfplatz in Florida auf den US-Präsidenten gewartet hatte. Um ihn zu erschießen. Trump überlebt alles. Offenbar.

    Der nun gescheiterte Attentäter hatte vor seiner Tat eine Nachricht geschrieben, in der er mitteilte, er wolle Regierungsvertreter töten. Weil er nicht länger bereit sei, zuzusehen, dass ein Verbrecher seine Hände mit Verbrechen beflecke. Den Namen Trump erwähnt er allerdings nicht ausdrücklich.

    Aber wen sonst sollte er meinen? Denke ich so und lege mich zusammen mit meinen Schatten wieder hin. Ruhig werden. In dieser gefährlichen Welt. Sagt der verängstigte Hauptstadtkater. Der trotzdem über euch wacht. Und jetzt: Rüstet auf und chillt, Leute!