Tag: 26. April 2026

  • 26. April 2026

    Über Rührung, Gönnen und Altern – Weise weiße Kater

    Es gibt Tage, an denen ich gönne. Und gerührt bin. Über mich. Weil ich spüre, wie es mich befriedigt, wenn ich Coco eine Freude bereite. Und sie sich wohl fühlt. Beispielsweise wenn ich ihr eines meiner Leckerli überlasse. Eines, das eigentlich für mich bestimmt war. Wenn sie dann knirschend kaut, fühle ich mich groß. Denke: Wahre Größe eben. Die man erringen kann. Im Laufe des Alterns. Merke selbst ich an mir. Mit meinen bald vier Lenzen. 

    Meine Leute sind zum Opa meiner Bruna nach Isernhagen gereist. Weil Opa Volker 89 Jahre jung wird. 89!  Kann selbst er kaum glauben. Denn er fühle sich gar nicht anders als vor 20 Jahren, vor 50 Jahren, vor 72 Jahren. Also, körperlich natürlich schon. Aber so vom Feeling, vom Mindset, vom Kopf her fühle er sich nicht so uralt wie diese Zahl 89 nun eben mal suggeriere.

    Denn: Als er jung gewesen sei, sei eigentlich fast niemand so alt geworden. Heute sei es ein mehr oder weniger normales Alter. So einige erreichten mittlerweile ja die 100. Und blieben dabei fit. Relativ. Auf die Frage meiner Nuria, welches Lebensalter er am besten gefunden habe, antwortet er, jedes Alter habe seine tollen Seiten gehabt. Auch diese Phase nun.

    Wie jede Zeit eben auch ihre Härten gehabt habe. Selbst als Kind im Krieg, als es wenig zu essen gab, habe er nicht in schlechter Erinnerung. Weil er mit Freunden viel draußen gespielt habe. Beeren gesucht habe. Und das Stück Fleisch am Sonntag tatsächlich ein außergewöhnliches Fest gewesen sei. 

    Und ich verstehe, was er meint: Mangel als Antrieb für Freude. Opa Volker erzählt weiter: Wünsche habe er keine mehr – zumindest keine materiellen. Er lächelt. Weise wie weiße Kater. Denke ich so.

    Aber dass zu seinem Geburtstag nun doch alle sechs Enkel und Enkelinnen aus ganz Deutschland angereist seien – einer nach dem anderen und jeder und jede völlig überraschend – das habe doch wahre Freude ausgelöst. Weil es eben komplett unerwartet gewesen sei. Ein Zeichen echter Zuneigung.

    Und ich denke so: Nein, mehr, ein Zeichen echter Liebe. Puh, überhaupt nicht mein Ding. So eine Gefühlssoße zu schreiben. Ich spüre ein enges Gefühl in meinem Hals. Ein Gefühl, das Kater eigentlich nicht kennen. Meine Leute nennen es: Rührung. 

    Ich stoße Coco ein weiteres meiner Leckerli zu. Und wieder verengt sich mein Hals ob meiner Größe. Weil ich spüre, wie gut ich bin. Zu gut für diese Welt. Sagt der gerührte und gönnende Hauptstadtkater. Und jetzt: Schüttelt euch. Ob dieses, meines Schwulstes. Und chillt, Leute!