Tag: 25. April 2026

  • 25. April 2026

    Fälscher der Realität und schwankende Tanzperformance

    Ich soll Fälscher sein. Fälscher der Realität. So cringe. So dissapointing. Dieser Vorwurf. Und was es noch schlimmer macht, und mich so exhausted, dass ich nur noch völlig bekloppt Denglisch denken kann: Der Vorwurf kommt von meiner Bruna. Von meiner Bruna. Really.

    Sie sagt, ich würde hier in meinem Tagebuch Storys berichten, die sich so nicht zugetragen hätten. Die aus dem Zusammenhang gerissen seien. Mit verfälschten Quellenangaben und so. Und ich, erzürnt, in meiner Ehre getroffen. Der Ehre eines weißen Katers: Ich. Bin. Getreuer. Faktenchecker. Really. 

    Immerhin: Ich sehe, warum sie mich attackiert: Sie mag es nicht, wie zuletzt von mir als coole Hexe dargestellt zu werden. Warum auch immer. Und behauptet, sie habe bei der Vorbereitung zu ihrer jüngsten Prüfung nie etwas zu Katern und Hexen gesagt – also völlig anders als ich berichtet habe. Und ich denke so, ok, ok, right, aber künstlerische Freiheit habe ich doch auch. Denn eigentlich ist doch eh alles, das Leben, eine Frage der Sicht.

    Meine Bruna erzählt, sie sei heute im Theater gewesen. Tanzperformance. Eine Gruppe namens Redshift. Eine mit überdimensionalem Kleid ausgestattete Frau habe sich bei cooler Musik 40 Minuten meist an Seilen schwingend durch einen quaderförmigen Raum geschwungen, dessen Kanten durch eine Stahlkonstruktion vorgegeben waren und dessen Boden mit Wasser gefüllt war.

    Ihre Mitte sei weich, habe sie gesagt, dann hing sie plötzlich kopfüber in den Seilen. Perspektivwechsel. Für sie. Für meine Bruna. Dann habe sie gefragt, ob man sie oder das Kleid sehe. Manche sahen gar nichts. Denn sie spritzte beim Schaukeln die Leute durch das ins Wasser eintauchende Kleid nass. Die trotzdem devot sitzen blieben. Cringe. Denke ich so.

    Und meine Nuria fragt, was am Schaukeln Kunst sei. Während Laura sagt, sie habe gedacht, es gehe um Suizid. Und die Großeltern meiner Bruna das Leben an sich sahen, dass da dargestellt worden sei. Die Performance-Leute meinen: Es sei um Machtstrukturen gegangen, das Verhältnis Mann und Frau.

    Coco sitzt auf dem Küchenboard. Bei der Leckerlidose. „Charlie, weg da, lass das“, ruft meine Bruna. Aus der Ferne. Als sie das Klickgeräusch der Dose hört. Und offenbar dachte, ich sei der Übeltäter. Und wolle klauen. Ein Bild, das sich irgendwie gefestigt hat. Und nicht stimmt. Cringe.

    Es ist eben einfach nicht mein Tag. Selbst meine Nuria hatet mich nun. Das meiste, was ich berichte, sei an der Realität vorbei. Moniert auch sie. Ähnlich wie ihre Schwester Bruna. Zumindest alles, was sie betreffe. Wenn sie etwa in ihrer Freiburger WG eine Maus jage, dann sei sie nicht ängstlich, wie ich es beschreibe, sondern Superheldin.

    Und ich denke so: Alles eine Frage der Perspektive. Sie sieht sich als Superheldin. Ich sehe die Realität. Sagt der enttäuschte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Überlegt, wen ihr hatet. Und chillt, Leute!