Tag: 20. April 2026

  • 20. April 2026

    Mein Weg zur US-Präsidentschaft auf dem Golfplatz

    Ich hatte einen Traum: Über mich fliegt ein kleiner weißer Ball. Ich jage ihm hinterher über grüne Wiesen. Schnappe den Ball. Laufe weg. Spüre, wie ein schwerer, alter Mann über mich stolpert. Ein Golfschläger dicht über meinen Kopf zischt. „Crazy bastard“, flucht der Mann, der taumelt und dann mit seinem schweren Körper auf dem Boden neben mir aufschlägt.

    Er stöhnt, hat aber die Kraft mir zuzurufen: „Macht meine Golfplätze frei, oder ihr landet alle in der Hölle. Ich werde alle Katzen vernichten. Eure gesamte Zivilisation.“ Sein Körper zuckt, Blut tropft von seinem roten Schopf auf mein weißes Fell.  Er röchelt: „Ich werde euch Katzen in die Steinzeit zurückversetzen.“

    Dann stockt sein Atem. Sein Blick bricht. Von überall her strömen Katzen auf mich zu. Und Menschen. Die jubeln. „Guat, wacker, heddel. Unser Erlöser.“ Rufen sie mir zu. Und ich fühle mich gut. So als unfreiwilliger Kriegsfreiwilliger. Wache auf. Im Bett meiner Bruna. Leider. 

    Ich als Retter. Der Welt. Der Menschen und der Katzen. Und Kater. Nice. Ich als Beobachter der Welt. Noch nicer. Denke ich so. Denn die Welt hat bessere Retter. Als mich. Beispielsweise Leute, die einst Freunde von Despoten waren und sich zu deren ärgsten Feinden wandelten, weil sie sich nicht angemessen gewürdigt fühlen.

    In den USA mehren sich Zeichen, dass US-Präsident Trump seinen Zenit überschritten hat. Bei der Rettungsaktion von zwei im Iran abgeschossenen Piloten vor wenigen Wochen sei er nicht vollständig in die Beratungen einbezogen worden, weil er zu ungeduldig sei. Und herumgeschrien habe.

    Berichtet eine Zeitung unter Berufung auf anonyme Quellen. Nicht nur diese Story an sich, sondern auch dass sie in die Öffentlichkeit gelangt – offensichtlich Symbol seines Machtverfalls. Denke ich so. Gechillt. 

    Und dann wenden sich auch einst glühende Verehrer seiner Make America Great-Bewegung zunehmend von Trump ab. Einige sind erschüttert, weil er sich mit dem Papst anlegt und sich selbst als Erlöser präsentiert. Andere verwenden nun dieselbe Taktik, mit deren Hilfe Trump an die Macht kam – Verschwörungserzählungen. Um ihn zu diskreditieren.

    Und ziehen in Zweifel, dass die Schüsse, die im Wahlkampf 2024 auf Trump gefeuert worden waren und ihn wohl lediglich streiften, wohl eine Inszenierung gewesen seien. Wird da von MAGA-Leuten behauptet – natürlich ohne Beweise vorzulegen. Müssen sie ja auch nicht. Bei solchen Narrativen. Denke ich so. 

    Und ich throne auf Trump. Auf dem Golfplatz in Florida. Seinem Sitz Mar-a-Lago. Die Katzen um mich herum schnurren. Hinter ihnen jubeln Menschen: „Wir sind aus Haiti. Wir lieben Katzen. Und essen sie nicht.“ Skandieren sie.

    Und ich setze meine Pfote unter meine ersten Dekrete: Eintritt in Pariser Klimaabkommen, in die Weltgesundheitsorganisation, in die Unesco. Übermittele dem Iran Pläne zur Beendigung des Kriegs. Signalisiere dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj die Aussicht auf mehr Unterstützung in seinem Abwehrkrieg gegen Russland. Sage der Bevölkerung im Sudan Hilfe zu.

    Und verbiete die Kastration von Katzen. Und Katern. Sagt der aufgeweckte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Verschwört euch. Und chillt, Leute!