Tag: 23. Februar 2026

  • 23. Februar 2026

    Köterhassende Kater im Angesicht gestrandeter Flugpassagiere

    Ich hasse Köter. Diese sabbernden, stinkenden, devoten, angepassten und von Menschen abhängigen Wesen. Und weiß, dass es für mich kein gutes Zeichen ist, wenn Felix plötzlich aufjauchzt. Und viel zu laut ruft – lachend: „Da ist Charlie – in Hund“.

    Er schneidet ein Foto aus der Zeitung, auf dem ein Köter mit weißem Fell zu chillen scheint. Sieht mich, der gerade sanft auf dem Schemel des Pianos von Diego chillt. Hat dann die seiner Ansicht nach grandiose Idee, die Zeitungsseite auf mich zu legen. Was ich naturally nicht goutiere. Aufspringen will. Dann aber sehe, dass Felix bereit ist, zu bezahlen. Wenn ich bleibe. Und ich sehe: Der Preis stimmt: 28 Leckerli. Fürs Posieren: Kater. Mit Köter. Ich toleriere es mal. 

    Und denke – um mich abzulenken, den Ekel zu überwinden – an das, was mich heute am meisten berührte. Nicht etwa, dass kurz vorm vierten Jahrestag des Beginns des russischen Angriffskriegs Milliardenhilfspakete der EU für die Ukraine an Ungarn zu scheitern drohen. Oder die USA einen weiteren Flugzeugträger Richtung Iran schicken. Dort ein Krieg näher rückt. Nein, es sind kleinere Dinge. Die mich touchen. Und ekeln.

    Kürzlich mussten 600 Passagiere in sechs Flugzeugen auf dem Flughafen in München eine Nacht in ihren Flugzeugen verbringen. Die bereits auf den Rollfeldern standen. Dann aber nicht starten konnten – wegen des starken Schneefalls. Und ein Zurück gab es auch nicht mehr. Weil – really – Busse gefehlt haben sollen, die Fluggäste ins Flughafengebäude zurück zu transportieren. 

    In Deutschland. In Bayern. Im reichen München. Wo ein Quadratmeter Boden 10.000 Euro kostet. Nun, ist was anderes. Aber  immerhin: Die Flugzeuge seien beheizt gewesen, die Passagiere hätten nicht frieren müssen, teilen die Fluggesellschaften mit. Sie sollen nun eine Entschädigungszahlung erhalten. Und ich frage mich so, wie hoch? Mehr als 30 Leckerli?

    Und ich frage mich, wie es sein kann, dass offenbar niemand die einzig richtige Entscheidung traf, die Passagiere irgendwie aus den Maschinen zu befreien. Die so mitten in einer Schneewüste in München Gefangene waren. Und denke so, wahrscheinlich das Beste, alle bleiben künftig zuhause. Im Revier. Denn Fliegen: Funktioniert nicht. Bahnfahren: Reine Glückssache. Autofahren: Staus. Zuhause aber: Gechillte Kater. 

    Ich will mal Milde walten lassen. Die Story der Süddeutschen Zeitung unter dem Foto des weißen Köters ist ja sogar nett. Diese Hündin – ein Spitz namens Jara – soll ein Therapieköter sein. Und helfen, Kindern und Angstpatienten den Zahnarztbesuch erleichtern. Ihnen helfen, sich zu entspannen.

    Also tatsächlich: Die Köterin hat was Katerisches. Auch wenn ich geradezu spüre, wie ihr schleimiger Sabber auf mein Ohr trieft. Ihr fauliger Atem mir die Luft nimmt. Scheint sie nicht per se bekloppt zu sein. Gute Erfahrung. Denke ich so. Schubladendenken also ist nie gut.

    Und tatsächlich, alles okay, denn ich bekomme von Felix meine Leckerli 29 bis 34. Fürs Ausharren und Posen mit dem weißen Spitz auf mir. Sagt der entspannte und trotzdem köter-hassende Hauptstadtkater. Da über euch wacht. Und jetzt: Sucht Doppelgänger. Und chillt, Leute!