Tag: 12. Februar 2026

  • 12. Februar 2026

    Wie meine Nuria die Spaltung auf einer AfD-Veranstaltung kittet

    Aus Spaltung wächst Hass. Und der kann Kriege auslösen. Überall wächst derzeit Spaltung. Beobachte ich so – auf meinem Thron sitzend und sinnierend. Hoffnung aber gibt mir meine Nuria. Die versucht, Spaltung zu überwinden. Durch verbinden. Zuhören. Diskutieren.

    Gestern war sie bei einer Veranstaltung der rechtsextremen AfD in Freiburg zur anstehenden Landtagswahl in Baden-Württemberg. Angelockt wurden nicht nur Sympathisanten. Sondern auch Gegner, die die Veranstaltungshalle blockierten. Und meine Nuria. Die mit Freundinnen in der Halle die AfD-Fans sprechen wollte. Um ihnen neue Perspektiven aufzuzeigen. Und Brücken zu bauen, 

    Meine Nuria erzählt: Von dem großen Hass auf beiden Seiten, dem sie und ihre Freundinnen dann selbst ausgesetzt waren. Als meine Nuria die Sitzblockaden vor der Halle überwand, riefen die Blockierer ihr hasserfüllt hinterher: „Wenn du da reingehst, verfolgen wir dich bis an dein Lebensende. Und das wird bald sein.“

    In der Halle wurden ihre Freundinnen, weitere Aktivistinnen und sie dann von AfD-Repräsentanten attackiert: Was die jungen Leute in der Halle wollten, habe ihnen ein AfD-Politiker zugerufen. Sie hätten doch noch nie wirklich gearbeitet und Geld verdient. Damit hätten sie den Ernst des Lebens doch gar nicht begriffen, sollten mal schön ruhig sein.

    Und trotzdem – meine Nuria erlebte in der Halle auch einen berührenden Moment. Als sie zu Beginn in das Publikum geblickt habe, habe sie viele Freundinnen und Aktivistinnen gesehen, die sich mit den Leuten dort – zumeist mittelalte bis alte Männer – unterhalten hätten. Ihr selbst hätten zwei Männer erzählt, sie wüssten noch nicht, wen sie wählen würden. Aber sie hätten Angst wegen der offensichtlich steigenden Zahl von Überfällen, Diebstählen. Autos und Fahrräder würden immer häufiger gestohlen. Die Zahl der Ausländer sei stark gestiegen. Viele seien nicht gut integriert.

    Und meine Nuria sagt, sie habe sich gefragt, ob das alles der Realität entspreche – sie habe keine Ahnung. Manche Gedanken zur schlechten Integration von Ausländern beispielsweise allerdings seien ähnlich der ihren – es gebe eben nur völlig andere Lösungsansätze. Kümmern versus abschieben. 

    Die AfD-Politiker in der Halle hätten dann weiter gehetzt. Sagt meine Nuria. Durch Steuergeld werde der Club der linken Szene in der Stadt finanziert, habe einer behauptet. Und dort entstehe dann linker Terror. Wie ja auch bei dieser Veranstaltung deutlich geworden sei. Schließlich seien er und seine Kollegen als Vertreter einer demokratischen Partei durch linke Chaoten gehindert worden, in die Halle zu gelangen, um ihre Meinung zu äußern.

    Der alte Mann neben meiner Nuria klatscht. Und fragt meine Nuria, warum sie das nicht auch tue. Sie flüchtet. Beschimpft von AfD-Sympathisanten. Bedroht durch die Demonstranten vor der Halle.

    Und ich denke so: Sie hat es so was von richtig gemacht. Das direkte Gespräch muss sein. Um Spaltung verhindern. Oder zu kitten. Ja: Kitten. Seid wie verspielte Katzenbabys. Make love, not war. Sagt der stolze Hauptstadtkater. Der gerne über euch wachen würde. Und jetzt: Engagiert euch. Und vor allem: Chillt, Leute!