Bosse unter sich dissen US-Präsident Trump

Ich bin Boss. Boss-Kater. Muss ich sein – als Hauptstadtkater. Sag ich mir so. Auch wenn ich eigentlich keine Hierarchien mag. Aber Kater wie Mensch will geführt werden. Denke ich mir so. Nicht nur von Idioten, sondern auch mal von positiven Persönlichkeiten. Die die Initiative ergreifen. Die Perspektiven aufzeigen. Positiv. Selbst gestalten – und nicht gestaltet werden. Vor allem, wenn man wütend und zornig ist. Und das bin ich. Wie der andere Boss.



Der menschliche Boss: Bruce Springsteen. Der auch nie so genannt werden wollte. Es aber mittlerweile akzeptiert hat, mit seinen 76 Lenzen. Der US-Rocker ist bekennender Trump-Hasser. Seine Aversion gegen die US-Administration wurde nun noch einmal gesteigert. Durch die brutalen Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE gegen Migranten – und Demonstranten – vor allem in Minnesota.
Wo innerhalb von drei Wochen zwei 37-jährige US-Bürger getötet wurden. Und die Trump-Regierung sofort behauptete, ihre Bundesbeamten hätten beide Male in Notwehr gehandelt. Hätten eine gefährliche Terroristin und einen gefährlichen Waffennarren ausgeschaltet. Obwohl Videos zeigen, dass beide – die eine Künstlerin und Mutter dreier Kinder, der andere Krankenpfleger – keine Gefahr für die Beamten darstellten. Wurden sie brutal getötet.


Springsteen veröffentlichte nun nur vier Tage nach der Tötung des zweiten Demonstranten einen Protestsong. „Streets of Minneapolis“. Und ich tanze. Im Rhythmus der Gitarre. Weil ich sehe: Es gibt sie doch, die Amerikaner, die sich gegen den Trump-Schwachsinn, nein, diese unfassbare Brutalität und Dummheit wehren. Auf ihre Weise eben.
Und ich höre die raue Stimme vom Boss: „Trumps Schlägertrupps schlugen auf ihn ein. Auf sein Gesicht. Auf seine Brust. Und Alex Pretti lag tot im Schnee. Sie behaupten, es sei Notwehr gewesen. Glaubt bloß nicht, was man selbst gesehen hat. Unser Blut, unsere Knochen, Trillerpfeifen und Telefone gegen die schmutzigen Lügen von Miller und Noem.“
Mutig, denke ich so. Direkte Kritik an Trump und seinen wichtigsten Regierungsleuten, Miller und Noem. Und weiter dröhnt der Boss: „Oh Minneapolis, ich höre dein Weinen durch den blutigen Nebel. Wir erinnern uns an die Namen derjenigen, die gestorben sind auf den Straßen von Minneapolis.“ Dann sind die Demonstranten zu hören: „ICE out. ICE out.“


Tut, was ihr könnt. Wehrt euch. Denke ich so. Der Boss vom Boss aufgestachelt. Und ich sehe gleich einen zweiten regierungskritischen mutigen US-Künstler. Der nochmal zwölf Jahre älter ist als Bruce. Philip Glass – Star der zeitgenössischen Musik. Er sollte seine 15. Sinfonie – ein Auftragswerk – im Kennedy-Center in Washington uraufführen. Eine Sinfonie über eine Rede von US-Präsident Lincoln 1883 zur Verteidigung der Demokratie.
Vor ein paar Monaten ließ Trump den Kennedy-Center umbenennen – in Donald Trump und John F. Kennedy Memorial Center for the performing arts. Sich selbst machte Trump zum Vorstand der renommierten Institution. Glass schrieb, die Werte des Kennedy Centers stünden heute in direktem Widerspruch zur Botschaft der Sinfonie. Deswegen könne die Uraufführung dort nicht steigen.

Ich fühle Freude in mir aufsteigen. Euphorie erfasst mich: Schreit. Kämpft. Lasst euch aufstacheln. Sagt der gestaltende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid bissig, äh, bossig. Und chillt, Leute!