Der Tröster bin ich – und das Leiden der Welt seid Ihr

Kater sind Tröster. Für ihre Menschen. Und ich frage mich so: Wer tröstet eigentlich uns? Wer tröstet eigentlich mich? Wenn ich vor lauter Trost-spenden vor dem Burn-Out stehe. Den auch Kater haben können. Really.
Aber daran denkt eben keiner. Kein Mensch jedenfalls. Denke ich so. Während ich mich, um mein Leid sehr offen zu kommunizieren, mehr oder weniger subtil neben der Zeitschrift „Spiegel“ platziert habe. Da prangt eine Überschrift, von der ich denke – so passend. Für mich: „Kunst des Tröstens“. Heißt es da in großen Lettern.

Ich tröste meine Bruna. Die traurig ist, dass jüngst auf einer Kirchen-Freizeit für die sogenannten Teamer – Betreuer der neuen Konfirmanden -, bei der sie dabei war, die große Party nach 30 Minuten abgebrochen wurde. Weil viele Leute trotz vorheriger Absprachen, dass Alkohol und Drogen tabu seien, Bier tranken und Gras rauchten. Und ich denke so: Es wird immer so sein. Dass Menschen die immer gleichen Erfahrungen selbst machen müssen.
Ich tröste Diego. Dem Eltern seiner Schwimmkids vorwerfen, die Sechsjährigen nicht schnell genug fit fürs Abzeichen Seepferdchen zu machen. Die Eltern machen Druck. Obwohl ihr Kind im Wasser noch wie ein ertrinkender Welpe paddelt. Und ihr Druck das Kind dann endgültig untergehen lässt.

Ich tröste Felix, der es kaum mehr schafft, die Krisen der Welt journalistisch zu bewältigen. Weil sie zu schnell kreisen. Und die Kollegen weltweit ebenfalls kriseln. Immer weniger ihr Handwerk beherrschten. Behauptet Felix. Typisch alter weiße Mann eben. Denke ich – der junge weiße Kater. Früher war eben alles viel besser. Denken die Alten. So unreflektiert und oft. Es wird immer so sein.
Nun – und dann sehe ich heute auch noch diese Studien. Nummer eins: Eine Denkfabrik – yes, so heißt das Ding wirklich – in Washington will errechnet haben, dass der russische Angriffskrieg in der Ukraine mittlerweile auf beiden Seiten zwei Millionen tote, verletzte oder vermisste Soldaten verursacht habe. Bis Dezember seien allein rund 325.000 russische Soldaten gefallen, bis zu 140.000 ukrainische.

Studie Nummer zwei: Stammt von der in Russland als Auslandsagentin eingestuften Deutschen Sacharow-Gesellschaft. Demnach sehen sich viele Russen von ausländischen Feinden umzingelt, während sie ihr eigenes Land als Opfer betrachten. O weia. Was Propaganda so macht…
Und ich denke an Natasha – unsere ukrainische Freundin in Kiew. Sie schreibt, es werde erneut massiver russischer Beschuss erwartet. Die Heizungen fielen ständig aus. Minus 20 Grad seien in den kommenden Tagen angekündigt. Zum Glück hat sie einen Kater. Denke ich so: Trost-Kater. Rudy.

Und sehe: Coco frisst das Hühnerfleisch aus meinem Napf. Wer nur gibt mir Trost? In dieser trostlosen Welt. Und dann habe ich die Erkenntnis: Ich bin der Trost. Sagt der traurige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und sagt: Tröstet so viel ihr könnt. Und chillt, Leute.