Extreme Warnung vor Entwarnung und Kapern russischer Tanker

Mein Chillen wird heute Morgen abrupt unterbrochen. Gegen 9.30 Uhr. Es dröhnt, schrillt, hämmert. Unrhythmisch. Disharmonisch. Und hört nicht auf. Weil alle Handys meiner Leute hier in meinem Ostberliner Revier zugleich vibrieren und schreien.
Meine Leute dann auch. Felix so, vollkommen schlaftrunken aus dem Bett gestürzt: „No, jetzt also auch hier. Extreme Warnung. Stromausfall Berlin.“ Gesendet über den Mobilfunkdienst Cell Broadcast. „Hätten wir uns doch ein paar Vorräte und Wasser kaufen sollen“, meint er weiter.
Um dann düster hinzuzufügen: „Boah, ist das krass, wenn diese Linksextremisten es erst vor einigen Tagen geschafft haben, 45.000 Berliner Haushalte im Südwesten lahmzulegen – und jetzt ganz Berlin. Dann sind die entweder ziemlich gut. Oder die Sicherheitsvorkehrungen verdammt schlecht. Oder sind es doch die Russen. Und ist Krieg?“

Ich sehe: Das Licht brennt. Cocos Zimmerbrunnen plätschert. Der Wasserkocher blubbert. Der Computer surrt. Merkt dann irgendwann auch der apokalyptische Felix. Macht sich locker. Und klickt die im Warnhinweis angegebene Webseite an: „Im Laufe des Tages startet die Wiederversorgung der vom Stromausfall betroffenen Gebiete“, heißt es da. Und: Es könne zu kurzen Stromunterbrechungen kommen.
„Ditte is Berlin“, ruft Felix. Und es schüttelt mich. Weil ich es hasse, wenn er, der Niedersachse, versucht, Berliner Slang zu imitieren. Aber ich räume ein, in der Sache hat er mal recht: Eine extreme Warnung für die Entwarnung. Wie kurios. Eine Entwarnung, die dann auch nur einen Teil der Stadt betrifft. Wo nun immerhin endlich wieder nach rund vier Tagen Strom fließen soll.
Und das Bibbern ein Ende haben könnte. Denke ich so. Und höre, dass das für den Regierenden Bürgermeister Berlins wohl nicht gilt. Der ging wenige Stunden nach Beginn des Stromausfalls Tennis spielen.

Und ich denke so: Für Krisenmanagement ist Mensch offenbar nicht geboren. Spaß als Landesvater während die sensiblen Landeskinder frieren und sich ängstigen. Nun, mein Fell ist dick. Ich hätte heute mal ganz gerne Stromausfall. Wenigstens für ein paar Stunden.
Denke ich so beim Blick auf meinen täglichen Trump. Den ich ohne Strom dann nicht ertragen müsste. Heute also ließ der US-Präsident einen unter russischer Flagge fahrenden Öltanker entern – im Nordatlantik, bei Schottland. Das Schiff soll sanktioniertes venezolanisches Öl transportiert haben.
Die Russen sind über die Aktion natürlich überhaupt nicht amüsiert. Es sollen sogar russische U-Boote unterwegs gewesen sein Richtung Tanker. Und ich fürchte schon – ist das nun der Tropfen, der das Fass Weltfrieden überlaufen lässt?

Fühle mich den Ängsten Felixens nahe. Und schalte ab. Für heute. Auch ohne Stromausfall. Es reicht. Trotz der bollernden Heizung ist mir cool.
Und ich kuschle mich auf den Schoß des dauerentspannten Diegos. Der sein Tor zur Welt, sein Handy, abgelegt hat. Yes, he can. Zweisamkeit. Stärkt. Sagt der gewarnte Hauptstadtkater. Der über euch – auch ohne Warn-App – wacht. Und jetzt seid beruhigt, schaltet ab. Und chillt, Leute.