Ich bin erschüttert: Die Schweizer Bar-Katastrophe

Ich bin erschüttert. Habe auf Felixens Laptop Videos von der Brandkatastrophe in der Bar in Crans-Montana in der Silvesternacht mit angesehen. Hunderte junge Menschen, die bei lauter Musik feiern. Frauen, die mit Champagnerflaschen durch die Menge laufen, an denen Sprühfontänen angebracht sind, aus denen Funken sprühen. Richtung der Decke mit ihrem Dämm-Material. Das Feuer fängt.
Ich würde sofort weg rasen. Bin ja auch ein Fluchttier. Spüre die Urangst in mir. Sehe aber, dass einige Leute in der Bar filmen. Wie es brennt. Denke so: Leute, lasst die Scheiß-Handys fallen. Und rennt. Wenn es brennt. Die Musik wummert weiter. Die Erkenntnis, dass sich da eine Katastrophe anbahnt, ist erst mal nicht da.

Bei den meisten. Zu abstrakt offenbar der Gedanke, dass einen so etwas tatsächlich auch selbst mal treffen könnte. Eine tödliche Gefahr auf einer ausgelassenen Silvesterfeier in einem Schweizer Nobel-Skiresort.
Sehr schnell aber steht offenbar die ganze Bar in Flammen. Die Temperaturen sollen 800 bis 1000 Grad erreichen. Sagen Experten. Bei solchen Temperaturen würden die Flammen sofort den ganzen Raum einnehmen. Viele Besucher hätten durch den Rauch schnell das Bewusstsein verloren – und den Fluchtweg blockiert. Panik.

Viele rannten zu der Treppe, die ins Erdgeschoss zum Ausgang führt. Die Treppe ist eng. Eine Art Flaschenhals. Der verstopft. 40 Menschen sterben. 119 sind verletzt. Viele lebensgefährlich verbrannt, mehr als 60 Prozent der Hautoberfläche seien bei einigen zerstört, sagt ein Arzt.
Während traumatisierte Augenzeugen erzählen von Menschen, die die Scheiben einer großen Fensterfront eines Wintergartens aufbrechen wollten – es aber nicht schafften. Videos zeigen auch Menschen, die es durch den Ausgang schaffen und herausrennen. Im Schock. Die Musik wummert weiter.

Und ich frage mich: Wie kann in einem solch reichen, hoch technologisiertem Land wie der Schweiz eine solche Katastrophe möglich sein? Ein Land, das berühmt ist für seine Akribie, seine Perfektion. Da müsste doch der Brandschutz perfekt sein… Müsste….
Und frage mich weiter: Wie blöd können Betreiber sein, brennende Fackeln durchs Lokal tragen zu lassen? Und weiß natürlich: Der Tod ist überall. Kann jeden immer und jederzeit erfassen. Und ich denke so – wie gut, dass ich nicht weiß, wann es so weit ist.



Trost ist angesagt. Zusammenrücken. Einander spüren. Katzenspezialität. Katerspezialität. Denke ich so. Und bin froh, dass ich helfen kann. Ablenken kann. Meine Bruna anschnurre. Und sie zum Lächeln bringe. Während Coco aufs Sofa springt. Und sich auf die dort ruhende Laura legt. Energie gegenseitig übertragen. Hilft. Sagt der erschütterte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Versucht zu entspannen. Und chillt, Leute.