Monat: Januar 2026

  • 31. Januar 2025

    Der vereinsamte Nicht-Einzelgänger und der Klimawandel

    Ich bin kein Einzelgänger. Und trotzdem lassen mich meine Leute alleine. Nahezu alleine jedenfalls. Reisen ab. In kalte, schneeige Gefilde, um Ski zu fahren. Sagen sie. Und reisen aus dem eisigen Berlin ins frühlingshafte Österreich. Was sie da machen? Wandern – auf graue Berge. Handstand machen auf einem Jäger-Hochsitz. Mit freiem Oberkörper, so warm ist es.

    Während ich in der Kälte meines Berliner Reviers. Auf der Fensterbank fröstele. Auf den verschneiten Innenhof blicke. Und spüre, wie der eisige Wind reinzieht durch die Spalten. Während Coco irgendwo chillt. Im Bett meiner Bruna. Auch allein. Alles verkehrt. Irgendwie.

    Meine Leute reden viel vom Klimaschutz. Vom Umweltschutz. Und fahren dann mit einer Dreckschleuder fast 1000 Kilometer nach Österreich. Wo ihre einst weißen Skipisten. Jetzt nur graue Farbe erlangen, weil Schnee nicht mehr fällt. Und dafür die Schneekanonen unermüdlich weißes Gold in die krassen Schneisen der Berge – sogenannte Pisten – einschießen.

    Während viele alteingesessene Einwohner stöhnen. Ob des allwöchentlichen Andrangs in ihre Täler. Nicht nur immer mehr Deutsche, Polen, Niederländer. Nun auch viele Chinesen – und zunehmend auch wieder Russen. Over Tourism eben. Stöhnen sie. Auch wenn sie profitieren.

    Meine Bruna erzählt, der Skiverleih, in dem sie seit zehn Jahren ihre Ausrüstung holt, mache nächstes Jahr dicht. Obwohl der Laden birst vor Skiwütigen. Das Problem: Es gebe kein Personal mehr. Habe die Chefin gesagt. Diejenigen, die es vergangene Saison gemacht hätten, kämen nicht wieder. Sagten, zu stressig. Die Alternative: Osteuropäer einstellen. Das wolle sie aber nicht. 

    Was für Probleme. Denke ich so. Während in der Ukraine der Strom ausfällt. Nicht mehr nur allein wegen der fortgesetzten russischen Bombardements. Jetzt wurden auch noch zwei Stromleitungen getrennt, durch die die Ukraine mit Moldau und Rumänien verbunden war.

    In Berlin dagegen gibt es wieder andere, „existenzielle“ Probleme: Spikes für Schuhe sind ausverkauft. Damit können keine alten Leute mehr raus. Weil die Fußwege seit Wochen lebensgefährlich glatt sind. Weil die Stadt es nicht schafft, das Eis zu entfernen. Und der Regierende Bürgermeister zwar – anders als beim Stromausfall – nicht Tennis spielen geht. Aber seine letzte Idee zur Hilfe auch geradezu absurd spät kommt: Nun schlug er vor, die Erlaubnis für den Einsatz von auftauendem Streusalz zu geben.

    Und da hätte ich eine Idee: Die Katzen und Kater der Hauptstadt rmüssten raus. Um zu helfen, beispielsweise beim Einkauf. Haben sie doch natürliche Spikes. Mit ihren Krallen. Aber: Uns niemand ja eh keiner ernst. Und so müssen sie eben weiter leiden. Die Menschen. Sagt der vereinsamte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Besucht mich. Schreibt mir. Aber vor allem: Chillt, Leute. 

  • 30. Januar 2026

    Bosse unter sich dissen US-Präsident Trump

    Ich bin Boss. Boss-Kater. Muss ich sein – als Hauptstadtkater. Sag ich mir so. Auch wenn ich eigentlich keine Hierarchien mag. Aber Kater wie Mensch will geführt werden. Denke ich mir so. Nicht nur von Idioten, sondern auch mal von positiven Persönlichkeiten. Die die Initiative ergreifen. Die Perspektiven aufzeigen. Positiv. Selbst gestalten – und nicht gestaltet werden. Vor allem, wenn man wütend und zornig ist. Und das bin ich. Wie der andere Boss.

    Der menschliche Boss: Bruce Springsteen. Der auch nie so genannt werden wollte. Es aber mittlerweile akzeptiert hat, mit seinen 76 Lenzen. Der US-Rocker ist bekennender Trump-Hasser. Seine Aversion gegen die US-Administration wurde nun noch einmal gesteigert. Durch die brutalen Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE gegen Migranten – und Demonstranten – vor allem in Minnesota.

    Wo innerhalb von drei Wochen zwei 37-jährige US-Bürger getötet wurden. Und die Trump-Regierung sofort behauptete, ihre Bundesbeamten hätten beide Male in Notwehr gehandelt. Hätten eine gefährliche Terroristin und einen gefährlichen Waffennarren ausgeschaltet. Obwohl Videos zeigen, dass beide – die eine Künstlerin und Mutter dreier Kinder, der andere Krankenpfleger – keine Gefahr für die Beamten darstellten. Wurden sie brutal getötet. 

    Springsteen veröffentlichte nun nur vier Tage nach der Tötung des zweiten Demonstranten einen Protestsong. „Streets of Minneapolis“. Und ich tanze. Im Rhythmus der Gitarre. Weil ich sehe: Es gibt sie doch, die Amerikaner, die sich gegen den Trump-Schwachsinn, nein, diese unfassbare Brutalität und Dummheit wehren. Auf ihre Weise eben.

    Und ich höre die raue Stimme vom Boss: „Trumps Schlägertrupps schlugen auf ihn ein. Auf sein Gesicht. Auf seine Brust. Und Alex Pretti lag tot im Schnee. Sie behaupten, es sei Notwehr gewesen. Glaubt bloß nicht, was man selbst gesehen hat. Unser Blut, unsere Knochen, Trillerpfeifen und Telefone gegen die schmutzigen Lügen von Miller und Noem.“

    Mutig, denke ich so. Direkte Kritik an Trump und seinen wichtigsten Regierungsleuten, Miller und Noem. Und weiter dröhnt der Boss: „Oh Minneapolis, ich höre dein Weinen durch den blutigen Nebel. Wir erinnern uns an die Namen derjenigen, die gestorben sind auf den Straßen von Minneapolis.“ Dann sind die Demonstranten zu hören: „ICE out. ICE out.“

    Tut, was ihr könnt. Wehrt euch. Denke ich so. Der Boss vom Boss aufgestachelt. Und ich sehe gleich einen zweiten regierungskritischen mutigen US-Künstler. Der nochmal zwölf Jahre älter ist als Bruce. Philip Glass – Star der zeitgenössischen Musik. Er sollte seine 15. Sinfonie – ein Auftragswerk – im Kennedy-Center in Washington uraufführen. Eine Sinfonie über eine Rede von US-Präsident Lincoln 1883 zur Verteidigung der Demokratie.

    Vor ein paar Monaten ließ Trump den Kennedy-Center umbenennen – in Donald Trump und John F. Kennedy Memorial Center for the performing arts. Sich selbst machte Trump zum Vorstand der renommierten Institution. Glass schrieb, die Werte des Kennedy Centers stünden heute in direktem Widerspruch zur Botschaft der Sinfonie. Deswegen könne die Uraufführung dort nicht steigen.

    Ich fühle Freude in mir aufsteigen. Euphorie erfasst mich: Schreit. Kämpft. Lasst euch aufstacheln. Sagt der gestaltende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid bissig, äh, bossig. Und chillt, Leute!

  • 29. Januar 2026

    Der Tröster bin ich – und das Leiden der Welt seid Ihr

    Kater sind Tröster. Für ihre Menschen. Und ich frage mich so: Wer tröstet eigentlich uns? Wer tröstet eigentlich mich? Wenn ich vor lauter Trost-spenden vor dem Burn-Out stehe. Den auch Kater haben können. Really.

    Aber daran denkt eben keiner. Kein Mensch jedenfalls. Denke ich so. Während ich mich, um mein Leid sehr offen zu kommunizieren, mehr oder weniger subtil neben der Zeitschrift „Spiegel“ platziert habe. Da prangt eine Überschrift, von der ich denke – so passend. Für mich: „Kunst des Tröstens“. Heißt es da in großen Lettern. 

    Ich tröste meine Bruna. Die traurig ist, dass jüngst auf einer Kirchen-Freizeit für die sogenannten Teamer – Betreuer der neuen Konfirmanden -, bei der sie dabei war, die große Party nach 30 Minuten abgebrochen wurde. Weil viele Leute trotz vorheriger Absprachen, dass Alkohol und Drogen tabu seien, Bier tranken und Gras rauchten. Und ich denke so: Es wird immer so sein. Dass Menschen die immer gleichen Erfahrungen selbst machen müssen.

    Ich tröste Diego. Dem Eltern seiner Schwimmkids vorwerfen, die Sechsjährigen nicht schnell genug fit fürs Abzeichen Seepferdchen zu machen. Die Eltern machen Druck. Obwohl ihr Kind im Wasser noch wie ein ertrinkender Welpe paddelt. Und ihr Druck das Kind dann endgültig untergehen lässt.

    Ich tröste Felix, der es kaum mehr schafft, die Krisen der Welt journalistisch zu bewältigen. Weil sie zu schnell kreisen. Und die Kollegen weltweit ebenfalls kriseln. Immer weniger ihr Handwerk beherrschten. Behauptet Felix. Typisch alter weiße Mann eben. Denke ich – der junge weiße Kater. Früher war eben alles viel besser. Denken die Alten. So unreflektiert und oft. Es wird immer so sein. 

    Nun – und dann sehe ich heute auch noch diese Studien. Nummer eins: Eine Denkfabrik – yes, so heißt das Ding wirklich – in Washington will errechnet haben, dass der russische Angriffskrieg in der Ukraine mittlerweile auf beiden Seiten zwei Millionen tote, verletzte oder vermisste Soldaten verursacht habe. Bis Dezember seien allein rund 325.000 russische Soldaten gefallen, bis zu 140.000 ukrainische.

    Studie Nummer zwei: Stammt von der in Russland als Auslandsagentin eingestuften Deutschen Sacharow-Gesellschaft. Demnach sehen sich viele Russen von ausländischen Feinden umzingelt, während sie ihr eigenes Land als Opfer betrachten. O weia. Was Propaganda so macht…

    Und ich denke an Natasha – unsere ukrainische Freundin in Kiew. Sie schreibt, es werde  erneut massiver russischer Beschuss erwartet. Die Heizungen fielen ständig aus. Minus 20 Grad seien in den kommenden Tagen angekündigt. Zum Glück hat sie einen Kater. Denke ich so: Trost-Kater. Rudy.

    Und sehe: Coco frisst das Hühnerfleisch aus meinem Napf. Wer nur gibt mir Trost? In dieser trostlosen Welt. Und dann habe ich die Erkenntnis: Ich bin der Trost. Sagt der traurige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und sagt: Tröstet so viel ihr könnt. Und chillt, Leute. 

  • 28. Januar 2026

    Uhren-Storys: Fröstelnd von der Zukunft in den Weltuntergang

    Kälte überall. Ich hasse Kälte. Nicht nur draußen, wo selbst der weiße glänzende Schnee nicht verhindern kann, dass der Hauch der Düsternis in mein Revier zieht und mich umhüllt.  Sondern auch hier drinnen. Setzt sie sich fest. In mir. Denke ich so. Fröstelnd.

    Während ich oben auf dem Küchenschrank sitze. Unter der Jahrzehnte alten Werksuhr aus den Eilenburger Chemiewerken. Die mittlerweile seit drei Jahrzehnten nicht mehr tickt. Und bei sechs Minuten vor acht stehen blieb. Damals nach der Wende in den 90ern, als der Strom in der ehemaligen DDR-Vorzeigefabrik, in der Hans, Opa meiner Bruna, arbeitete, endgültig abgeschaltet wurde. 

    Auch die sogenannte Weltuntergangsuhr könnte bald aufhören zu ticken. Wenn man Wissenschaftlern in Washington glauben darf, steht es so schlecht um die Menschheit wie noch nie – zumindest seitdem diese Uhr eingerichtet wurde. Und das war 1947. Die Zeiger stünden nun 85 Sekunden vor Mitternacht – wobei Mitternacht das Ende bedeuten soll. So dicht sollen die Zeiger noch nie davor gestanden haben.

    Warum? Nun, die Wissenschaftler sagen, die Atommächte Russland, China und die USA agierten zunehmend aggressiv, die Klimakrise schreite voran, Künstliche Intelligenz entwickle sich quasi ungebremst. 

    Puuh, ich fröstle weiter. Höre dann aber von einer Uhr, deren Exit auch mal was Positives hat, wenigstens ein ganz klein bisschen… Nun, heute schalteten die Israelis diese Uhr nach 843 Tagen und zwölf Stunden in Tel Aviv auf dem Platz der Geiseln ab – weil endlich alle lebenden und toten Entführten aus dem Gazastreifen zurück in Israel sind.

    Gefeiert wird das von vielen als symbolischer Moment des Abschlusses. Nun, immerhin. Denke ich so. Und fröstelte trotzdem. Trotz des etwas positiven Zeitpunkts. 

    Denn die Zeit fließt weiter. An mir vorbei. Unbegreiflich. Für mein kleines Hirn. Kaum an Zukunft gedacht, ist Zukunft Vergangenheit und ihre Gegenwart nicht erfasst. Denke ich so. Erneut schaudernd. Und ich würdige Menschen mit Zeit, die beispielsweise Teilzeit arbeiten – um mehr Zeit für Leben, Gegenwart, Menschen und Kater zu haben.

    Ich hüpfe herab vom Küchenschrank. Weg von der kalten, stillstehenden DDR-Werksuhr. Hin zu Diego. Der entspannt auf der Bank sitzt. Liest. Und. Zeit. Hat. Für. Mich. Ich darf auf seinen Schoß. Mir wird warm. Sagt der entspannte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Nehmt euch Zeit. Und chillt, Leute!

  • 27. Januar 2026

    Schuss ins Herz des Weltenbestimmers und WM-Boykott

    Wie trifft man Menschen ins Herz, die tatsächlich denken, sie seien Weltenbestimmer. Quasi allmächtig. Kurz, Menschen, die nicht nur absolute Egoisten, sondern auch Narzissten sind? Frage ich mich so. Chillend auf der Zeitung in der Küche liegend.

    Fühle ich Aggressionen in mir aufsteigen. Als ich schon wieder in sein Konterfei blicke. Trump. Immer Trump. Überall Trump. Genau so, wie es der US-Präsident cool findet. Die mediale Dauerpräsenz. Ihn beißen bringt nichts. Also subtiler. Denke ich so. Drunterkriechen. Unterhöhlen quasi. 

    Klar, das ist bei mir nur ein symbolischer Akt. Der ihn nicht juckt. Aber Europa hat einen Hebel, um den Mann zu treffen, der mit seinem Ego die regelbasierte Werteordnung zerstört. Der in seinem Land unter anderem in Minneapolis eine marodierende Spezialeinheit einsetzt, die nicht nur erbarmungslos gegen Migranten, sondern auch gegen Demonstranten vorgeht. Der droht, Grönland, vielleicht auch Kanada und Kuba einzunehmen.

    Der willkürlich Zölle erhöht. Der den Staatschef eines souveränen Landes – den venezolanischen Präsidenten Maduro – aus seinem Präsidentenpalast in der Hauptstadt Caracas entführten lässt. Der in internationalen Gewässern Boote versenkt und Seeleute dabei tötet – mit der unbewiesenen Behauptung, die Boote würden Drogen transportieren. Der überall offensichtliche Lügen verbreitet – und sein Gift verspritzt. 

    Und ich muss das alles aufführen. Um zu glauben, was ich kaum glauben kann: Die USA sind autoritär. Geworden. In gerade mal einem Jahr.

    Ich krieche unter die Zeitung. Unter Trump. Weil auch Coco nun draufhaut. Auf Trump Gesicht in der Zeitung. Mit Ihrer Pranke. Schlägt sie Löcher in Trump Fresse. TUT. SO. GUT. COCO IST GROSSARTIG (DAS ZWEIGROSSARTIGSTE KATZENGESCHÖPF AUF DER WELT. NACH MIR. ). Würde Trump sich selbst in seinem Online-Sprachrohr Truth Social hypen.

    Und nun zurück, zu den Europäern. Die von Trump ja schon der Öfteren lächerlich gemacht wurden. Der ihnen Schwäche und Wehrlosigkeit vorwarf. Nun, Europa hat den Hebel, Trumps Ego zu kitzeln. Die Europäer könnten die anstehende Fußball-WM boykottieren. Seine WM, die seine Showbühne werden soll. Die WM steigt zwar nicht nur in den USA, sondern auch in Kanada und Mexiko. Die beiden Länder sind für Trump aber eh nur Staffage. 

    Ohne Deutschland, ohne europäische Teams – die WM wäre total entwertet. Und Trump stünde da – wie ein König ohne Kleider, äh, ohne Untertanen, sprich: Teilnehmer. Ich weiß, das wird nicht passieren. Aber schon die Debatte darüber ist gut. Wird ihn treffen. Und ich zerfetze die Zeitung. Mit Coco im Gleichschritt.

    Macht Spaß. Schafft Befriedigung ohne Ende. Sagt der boykottierende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Zerstört, was euch kaputt macht. Und chillt, Leute. 

  • 26. Januar 2026

    Wie den USA ihr eigenes Grönland erwächst und ich Wärme finde

    Warm ist wichtig. Mehr als wichtig. Existentiell. Für mich. Und meine Spezies. Vor allem, wenn es draußen so bitter kalt ist wie derzeit. Und der Glanz des Eises das Grau der Wolken in mein Revier reflektieren lässt. So dass ich fröstelnd in die Küche schreite. Und den Platz der Plätze erspähe: Eine old school Zeitung, die  – absolut einladend – ausgebreitet auf dem Boden liegt.

    Ich liebe dieses wärmende Kuschelpapier. Und sehe, dass dadrauf dann auch noch ein Foto meines Lieblingshass-Menschen prangt: US-Präsident Trump. Passt. Denke ich so. Und spüre, wie mein Blut in Wallung gerät, als ich mich darauf platziere. 

    Die Wärme durchströmt mich. Wohlig. Als ich mich face-to-face zu Trump und seinem Vize JD Vance begebe. Die doch so unbedingt das von Dänemark kontrollierte Grönland haben wollen. Die arktische Insel mit dem ewigen Eis. Und ich frage mich, warum?

    Denn mittlerweile haben die USA ihr Grönland – im eigenen Land. Von Texas im Süden bis Michigan im Norden herrscht Ausnahmezustand – wegen krass viel Schnee und Kälte von bis zu minus 40 Grad. Ich sehe: Nicht mal Zuhause können die Trump-USA dem Winter trotzen. Eine Million Haushalte haben keinen Strom. Menschen sterben in der Kälte. Wie wollen die USA da Grönland verwalten? Wo es viel länger kalt ist. Frage ich mich so. 

    Und sehe, dass es in Deutschland nicht viel besser läuft – bei viel weniger Schnee und deutlich höheren Temperaturen. Nun, meine Bruna stöhnt, weil sie heute vier Kilometer zur Schule laufen musste, weil die Straßenbahnen nicht fuhren – die Oberleitungen waren vereist und eingefroren. Sie sind wohl auch morgen noch nicht abgetaut.

    Auch Laura bleibt keine Wahl – sie musste ebenfalls laufen, sechs Kilometer zur Klinik mit ihren psychisch kranken Jugendlichen. Gern hätte sie einen Uber oder ein Taxi gechartert – alle komplett ausgebucht. Wie auch die Miles-Mietwagen. 

    Anderswo trotzen Menschen der Kälte ebenfalls. Die Russen bombardieren die Ukraine weiter – und da vor allem Energieanlagen. Trotz extremer Kälte und laufender Gespräche über einen Frieden. Zehntausende sitzen in Kiew, Charkiw und anderswo in ihren ungeheizten Wohnungen und leiden. Frieren.

    Und in Minnesota in den USA gehen Menschen trotz Eiseskälte auf die Straßen und fordern den Abzug der Beamten der Einwanderungsbehörde ICE. Sie sind  – nach dem Tod eines bei einem ICE-Einsatz getöteten Krankenpflegers – fassungslos ob der Gewalt der Bundesbeamten. Und der Rückendeckung Trump für die brutale Einheit.

    Und ich beiße in die Zeitung. In Trumps Kopf. Schmeckt. Aromatisch – wahrscheinlich Druckerschwärze oder so. Sagt der erwärmte Hauptstadtkater. Der gerne über euch wachen würde. Und jetzt: Kuschelt Und chillt, Leute.

  • 26. Januar 2026

    Über Kletterästheten und Kletterdilettanten

    Meine Leidenschaft: Das Klettern. Nichts, was meine Spezies (abgesehen natürlich vom Chillen) besser könnte. Dafür sind unsere Körper gemacht – mit unserer extrem elastischen Wirbelsäule und ihren 50 Wirbeln, unseren unfassbar kräftigen Hinterbeinen, unserem „Balancierer“, dem Schwanz – und natürlich: Unseren Krallen, einziehbar natürlich. Kater können klettern. Menschen nicht. Umso absurder, wenn sie es dann trotzdem tun. Und sich dabei auch noch filmen und live streamen lassen.

    In Taiwans Hauptstadt Taipeh hangelt sich nun ein 40-jähriger Ami einen 508 Meter hohen Wolkenkratzer empor, 101 Stockwerke. Ohne Hilfsmittel. Also ohne Seil oder Gurte, nicht mal Netze sind gespannt. Dafür Netflix, he, he. Und ich so: Bin dabei. Weil Felix das so will. Und auf dem Board vor dem Fernseher, der das Spektakel zeigt, Leckerli verteilt. Fürs Foto. Vom dilettierenden Fremclimber und mir.  Dem Kletterästheten. Und ich jumpe hoch. Aufs Board. Easy. Futtere. Und lasse Felix gewähren. Beim Knipsen.

    Honnold schafft es. Nach 90 Minuten ist er oben. Klar, sieht ungeschickt aus, wie er sich da hocharbeitet. Er scheint vor allem von seinen Armmuskeln zu profitieren. Und manchmal baumelt er mit seinen Beinen über dem Abgrund – und es wirkt tatsächlich gefährlich.

    Nun, der Sender überträgt das Spektakel zehn Sekunden zeitversetzt. Und ich denke so: Warum macht Mensch das? Also, warum klettert Honnold hoch, obwohl sein Körper dafür nicht ausgelegt ist? Er behauptet, es schaffe ihm Befriedigung. Okay, das ist ein Motiv, das ich als Kletterkünstler nachvollziehen kann. Er soll für die Aktion auch eine nette Summe Geld bekommen – einen Betrag im mittleren sechsstelligen Dollarbereich. Ein weiteres Argument. Für Mensch. Denke ich so.

    Und warum schauen Hunderttausende zu?  Frage ich mich: Lauter Voyeure? Wie Felix. Der erst mal auch sagt, wie abartig. Ein Spektakel um Leben und Tod zu zeigen. Aber dann starrt er unverwandt auf den Bildschirm. Schaudert, als er mit in den Abgrund blickt. Gruselt sich. Als sich Honnold Meter für Meter an der Glasfassade empor hangelt.

    Nervenkitzel. Braucht der Mensch offenbar. Um vom Nervenkitzel der alltäglichen Kriege und Grausamkeiten Abstand zu bekommen. Eine Art Gedankenkletterei also. Denke ich so. 

    Die Leckerli vom Board sind weg. Der Mann ist oben. Und ich mache mich zum Abstieg bereit. Zum Sprung. Was Mensch nicht kann. Hat ja auch keine sieben Leben. Sagt der klettergeile Hauptstadtkater. Der gerne über euch wachen würde. Und jetzt: Staunt und chillt, Leute. 

  • 24. Januar 2026

    Kater-Poet hört den Schuss von Minnesota

    Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Denke ich so. Wenn ich die Menschen betrachte. Und meiner Liebe zur Poesie fröne. Really. Ich will nicht verschweigen, liebe Leserin, lieber Leser: Ich schätze Christian Morgenstern. Also, seine Gedichte. Und aus einem von ihnen, dem mit dem Titel „Die unmögliche Tatsache“, stammt auch mein heutiger Einstiegsatz. I love it. Denn der Satz passt so gut: Menschen sind Meister im Schaffen eigener Tatsachen. Um sich ihre Welt zurechtzubiegen und zu bewahren.

    Felix zum Beispiel: Strandete kürzlich mit seinem neuen, sechs Wochen alten Mietwagen auf der Autobahn – weil der Motor überhitzte. Erst habe er das laute Piepen im Wagen und die rot aufleuchtenden Warnhinweise ignorieren wollen, erzählte er hernach. Denn er habe sich nicht vorstellen können, dass ein neues Auto kaputt sein könnte. Das dürfe doch nicht sein. Dann aber habe der Motor plötzlich Dampfwolken ausgestoßen. Und habe seine Realität getoppt. So dass er gestoppt habe. Und auf den Rettungsdienst gewartet habe.

    Der rettende Mann sei ihm dann wie ein gelber Engel erschienen – nach drei Stunden in der Kälte, die selbst der überhitzte Motor nicht habe vertreiben können. Sagt Felix. Nun, der gelbe Engel erzählte ihm dann von weiteren Menschen, die Realitäten nicht akzeptieren wollen.

    Manager, die ihn beschimpften, weil ihre Luxuskarosse versagt. Was ja nicht sein könnte, bei dem Preis. Von jungen Männern, die trotz Glatteis Vollgas geben – und gegen Bäume knallen. Und hernach sagen – wenn sie es noch können – das Wegrutschen könne ja nicht sein, bei den ganzen elektronischen Assistenzsystemen im Auto. Von Männern und Frauen, die mit leeren Tank am Straßenrand stehen und weinen: „Das kann nicht sein, ich dachte, der Sprit würde noch bis zur nächsten Tanke reichen.“ Falsche Tatsachen. Unmögliche Tatsachen.

    Die wenigsten rafften, dass eine Panne nur eine Panne sei. Und nichts Existenzielles, meint der philosophische gelbe Retter-Engel. Und von Glück reden könnten, heute und nicht vor 20 Jahren gestrandet zu sein. In einer Zeit, in der kaum jemand ein Handy hatte. Und sie bei einer Panne in der Wildnis verfault oder erfroren wären.

    Ich höre Schüsse. Und sehe in einem Video, wie in der US-Stadt Minnesota maskierte Beamte der Einwanderungsbehörde ICE bei einer Razzia brutal einen Mann zu Boden bringen – und ihn dann erschießen. Einen Demonstranten. Einfach so. Und die US-Regierung behauptet hernach, bei dem 37-jährigen Krankenpfleger handele es sich um einen bewaffneten Terroristen. Die Beamten seien bedroht worden und hätten in Notwehr gehandelt.

    Bereits vor drei Wochen hatten Beamte der Behörde in der Stadt eine 37-Jährige Demonstrantin erschossen. Auch damals rechtfertigte die Trump-Regierung ihr Vorgehen mit Notwehr. Obwohl Videos ein völlig anderes Bild zeichneten. Die US-Regierung macht sich die Welt, wie sie will. Und schürt Wut. Weil sie nicht akzeptiert, was ist. Weil es nicht sein darf. Aus ihrer Sicht. Sinniere ich so.

    Auf Felixens Zeitung sitzend. Die er nun nicht mehr lesen kann. Eine unmögliche Tatsache eben. Für ihn. Aber er lässt mich gewähren. Und streichelt mich. Sagt der poetische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid offen. Und chillt, Leute!

  • 23. Januar 2026

    Liebe kann so schön sein und der erste Eindruck so falsch

    Der erste Eindruck. Oft so falsch. Denke ich so. Und sehe, wie Laura heute trotz Freitagabend – sprich: Wochenende – mit zornesrotem Gesicht in mein Revier stürmt. Schwingt einen Brief, mit Herzen verziert, über ihren wehenden Locken. „Das gibt es nicht“, zürnt sie. „Jetzt hat ein Psychiatrie-Patient auch noch meine Adresse. Und stalkt mich. Das kann nur Jannik sein. Der Psychopath schaut mich schon die ganze Zeit so komisch an.“ Das müsse sie sofort der Klinik melden, das gehe zu weit.

    Und ich so: Schlüpfe in meine große Rolle: Die des Beruhigers. Und. Liege. Schon. Auf. Ihrem. Schoß. 

    Während meine Bruna strahlend eintritt. Erfüllt vom Praktikum in der Ergotherapie-Praxis. Letzter Tag. Schade. Sagt sie. Menschen helfen – das mache so viel Spaß. Die Chefin schrieb zum Abschied eine Karte an meine Bruna: „Das Team hat deine Anwesenheit genossen und die Patienten wurden belebt und aktiviert durch dich.“

    Und ich denke so: Denen geht es mit meiner Bruna wie mir. Und denke dann, wie meine Bruna vor gerade mal knapp zwei Wochen nach dem ersten Tag gesagt hatte, sie langweile sich so und würde so gerne wieder in die Schule. Tja, der erste Eindruck… 

    Laura lässt sich nur schwer beruhigen. Trotz meinereiner. Reißt den Brief auf. Sieht Herzchen prangen. Und greift zum Handy. Schildert der Chefin ihre Vermutung. Ich schnurre. As schnurr can. Und plötzlich – da spüre ich die Übertragung. Lauras Gesichtszüge werden weich. Ihre Wangen erglühen. Sie erstrahlt. Im Glanze dieses Glücks.

    Denn sie erkennt: Der Brief stammt nicht vom Patienten. Sondern. Von. Felix. Wie einst, vor drei Jahrzehnten. Habe er geschrieben. Sagt sie da.

    Und sieht: Die aufs Briefpapier gemalten Herzen sind stilisiert. Die skizzierten voluminösen Figuren verliebte sogenannte Nanas. Und ihr fällt ein: Felix war jüngst in Hannover in einer Ausstellung von Niki de Saint Phalle, der Nana-Schöpferin, die für Liebe, Leidenschaft, Leben steht. Und ich denke so: Wie kitschig, der Mensch – kotz, würg, spuck. Oder so. 

    Während Coco mich vertreibt. Von Laura. Vom Liebesbrief. Und ich Coco dafür hasse. In diesem Moment. Dann auch noch die Polizei anruft und Laura fragt, ob sie den Brief des Psychopathen mal schicken könne, damit sie den Stalker ausfindig machen könnten. Die Klinik-Leiterin habe sie informiert. Und Laura reumütig einräumt, sich getäuscht zu haben.

    Der erste Eindruck eben. Coco schiebt mir ein Leckerli zu. Das unter dem Brief lag. Deswegen also attackierte sie den Brief und mich. Und ich denke so so – sie ist eben doch eine Gute. Liebe für immer. Sagt der getäuschte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Misstraut dem ersten Eindruck. Und chillt trotzdem, Leute. 

  • 22. Januar 2026

    Mafia überall – Unverschämtheit siegt

    Ich bin angewidert: Weil sich Unverschämtheit wohl auszahlt. Bei meinen Führungsgeschöpfen, den Menschen. US-Präsident Trump will Grönland. Er will den Friedensnobelpreis. Er will hohe Strafzölle für Importe. Er will keine Zölle auf US-Waren. Er will über die gesamte westliche Hemisphäre herrschen. Und so weitert. Und so weiter.

    Welch Hybris. Ich blicke hoch. Aufs Sofa. Zu Coco. Die da chillt. Auf meinem Kuschelplatz. Mit krassem Blick. Mafiamäßig. Denke ich so. 

    Ich kann kaum glauben, wie euphorisch, wie erleichtert gestern viele europäische Staatenlenker reagierten. Als Trump plötzlich die angekündigten Strafzölle gegen acht europäische Länder absagte, die seine geplante Grönland-Übernahme nicht wollten. Als Trump sagte, er habe nicht vor, Grönland mit Gewalt von seinen Nato-Partnern einzunehmen. Als Trump andeutete, es sei eine Lösung im Grönland-Streit gefunden worden.

    Und ich denke so: Sie nehmen den Großkotz ernst. In diesem Fall. Unglaublich. Coco schnurrt. Auf meinem Kuschelplatz. Aufreizend. Mafiös. 

    Und ich würde am liebsten schreien: Nur wenige Stunden vor diesen – vermeintlichen – Zugeständnissen an Europa hatte derselbe Trump die Europäer verhöhnt und ihnen gedroht. Im Stile eines Mafia-Boss. Er werde sich erkenntlich zeigen, wenn die Europäer Grönland freiwillig rausrückten. Wenn sie sich weigerten, dann werde sich die US-Regierung auch daran erinnern.

    Und ich denke so: Schlechter Mafia-Film. Unverschämt. Coco dreht sich auf ihren Rücken. Auf meinem Kuschelplatz. Mafiös eben. 

    Ich weiß nur: Schon morgen kann Trump seine Meinung wieder komplett geändert haben. Schon morgen kann er wieder auf den Besitz von Grönland beharren. Als ob er heute nichts dazu gesagt hätte. Sicher ist wieder mal nur die Unsicherheit. Über diesen Typen.

    Es ist aber auch kein Antagonist für Trump in Sicht. Jemand, der gegen seine Unverschämtheiten hält. Es ist auch keine Utopie da, damit die Welt in eine bessere Richtung gedreht werden könnte. Und ich denke an die Oma meiner Bruna, die in Eilenburg wohnt. 

    Oma Thea erzählt, sie habe Ende der 1980er Jahre Frachtscheine und Rechnungen für Plattenbau-Elemente ausgestellt, die von der DDR an die SU – Sowjetunion – verkauft wurden. Sie gehe davon aus, dass in den Wirren der Wendezeit nicht bezahlt worden sei. Mafiös. Unverschämt. 

    Es ist aber auch kein Antagonist für Trump in Sicht. Jemand, der gegen seine Unverschämtheiten hält. Es ist auch keine Utopie da, damit die Welt in eine bessere Richtung gedreht werden könnte. Und ich denke an die Oma meiner Bruna, die in Eilenburg wohnt. 

    Oma Thea erzählt, sie habe Ende der 1980er Jahre Frachtscheine und Rechnungen für Plattenbau-Elemente ausgestellt, die von der DDR an die SU – Sowjetunion – verkauft wurden. Sie gehe davon aus, dass in den Wirren der Wendezeit nicht bezahlt worden sei. Mafiös. Unverschämt. 

    Denke ich so. Und habe die Idee: Leute – sucht die Rechnungen, packt Zins und Zinseszins drauf und fordert dann die Millionen von Kremldespot Putin. Der wäre pleite. Sein Ukraine-Feldzug vorbei, da nicht mehr zu finanzieren. Sagt der utopische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid auch mal unverschämt. Aber vergesst nicht: Chillt, Leute!