Taumelnde Tischkatzen und Kriegsprovokateure

Hauskatzen wie wir. Sind natürlich zugleich auch Tischkatzen. Weil Tische das natürliche Äquivalent zu Bäumen draußen sind. Denke ich so. Als ich Coco beobachte. Wie sie auf den gedeckten Tisch kraxelt. Und wartet: Auf Fisch in Soße.
Und ich spüre, wie ich beginne zu sabbern. In Erwartung des Festmahls. Findet der ein oder andere Mensch wahrscheinlich eklig. Abartig. Ich kann nur sagen: Es gibt nichts Saubereres als uns. Und Haare von sich selbst finden auch Menschen. In ihrer Suppe. Also, was spricht dagegen, dass wir uns an den Tisch gesellen? Nothing – abgesehen von Vorurteilen. Und menschlichem Stolz. Was beides gebrochen gehört. Von uns. Für eine wirkliche Balance. Im Leben.
Nun, Balance haben Menschen nicht. Und auch ich nicht. Wie ich taumelnd zum Jahresende feststelle. Denn: Menschen wollen sich weiter bekriegen. Sie wollen weiter töten. Und lügen dafür so unverblümt, dass ich mich schämen würde. Wäre ich Mensch.
Bin ich nicht. Und so kann ich nur kurz wiedergeben, dass da zum einen Kremldespot Putin ist. Der plötzlich behauptet – ohne jeden Beweis vorzulegen und dann auch noch zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Ukraine und die USA bei ihrem Friedensplan näher zu kommen scheinen – die Ukraine habe einer seiner Residenzen mit Drohnen angegriffen.

Völlig absurd. Denke ich so. Nichts ist besser geschützt in Russland. Und: Das Ziel der Ukraine ist die russische Ölindustrie. Aber klar: Logik gibt es nicht. Merke ich, als Coco sich vor mir aufbaut. Und mich nicht auf den Tisch lässt. Krasser Verrat. Denke ich so. Und weiß: Traue niemanden. Putin lügt fast immer. Und der ukrainische Präsident Selenskyj?
Es gibt einen weiteren Kriegsprovokateur. Der mich anätzt und quasi im Schulterschluss mit Coco vom Tisch schleudert. Ob seiner Arroganz. Gegenüber dem Leben. Der Anderen. Ich spreche vom israelischen Premier Netanjahu. Der von US-Präsident Trump grünes Licht will, erneut den Iran angreifen zu dürfen. Und behauptet, der Iran sei dabei, sein Raketenarsenal wieder aufzubauen.
Und Trump so: Klar müsse Israel in einem solchen Fall reagieren und angreifen. Ich sehe: Netanjahu will Krieg. Um von seinem Korruptionsprozess abzulenken. Und an der Macht zu bleiben. Andererseits: Im Iran sind Verbrecher an der Macht. Natürlich ist denen zuzutrauen, Raketen und Atomwaffen zu entwickeln. Und so weiß ich nur, dass ich nichts weiß. Oder doch – das hier: Jeder ist sich selbst der Nächste und verfolgt seine ureigenen Interessen.

Also folge ich meinem Hunger. Springe auf den Tisch. Und Coco lässt mich dieses Mal gewähren. Wir futtern Seite an Seite: Fisch in Aspik. Rhythmisch im Duett. Sagt der ausbalancierte Hauptstadt-Hauskater. Der über euch wacht. Und jetzt: Verstärkt eure Egos und lasst es euch schmecken. Und natürlich: Chillt, Leute.