Heimlich unheimliche Einbrüche

Unheimlich. Was für ein komisches Wort. Aber es beschreibt tatsächlich, wie ich mich gerade fühle. Weil Coco und ich alleine sind. In meinem Revier. Und meine Leute ausgeflogen sind. Zu den Großeltern meiner Alea. Nach Blankenese. Bei Hamburg. Das ist eigentlich nicht so schlimm – aber nun kommt dazu, dass es komisch knackt und knirscht. Als ob jemand an unserer Haustür rumfummeln würde. Und auf Besuch von Fremden – habe ich nun mal überhaupt keinen Bock.
Nun, Coco imponiert mir gerade. Weil sie sich aufbaut. Selbstbewusst Richtung Tür. Und knurrt. Wie ein Kampf-Köter. Und ich denke so: Danke – ihr Main Coones. Ich liebe euren Mut. Der mir das „un“ vor dem heimlich nimmt. Oder so.
Denn der Typ vor der Tür haut ab. Ich höre, wie jemand die Treppenstufen herunterrennt. Und erinnere mich, wie Laura erzählte, auf dem Nachbarschaftsportal im Internet sei berichtet worden. gestern habe es in der Parallelstraße gleich drei Wohnungseinbrüche gegeben. Was eigentlich nicht weiter wundert, denke ich so: Denn in unserer gentrifizierten Reichen-Gegend sind eben alle Zugezogenen heim gefahren zu Mami und Papi. Nach Stuttgart und Bremen. Und Hamburg. Wie auch meine Leute.


Die in Blankenese aber auch unheimliche Erfahrungen machen. Also: Meine Nuria und Diego unternehmen gegen Mitternacht noch einen Spaziergang. Wie sie erzählen. Wundern sich über einen Ölfilm, der sich über die Straßen verteilt hat. Überlegen, der könnte vom nahen Flughafen stammen. Als aus der Dunkelheit plötzlich eine Stimme sagt: „Stehenbleiben.“ Erschrecken sie sich. Sind gehorsam. Und werden vor der Schule vom Strahl einer Taschenlampe erfasst.
Sehen im Halbschatten vier Polizisten hinter einem zerbeulten Auto hervortreten. Vor dem wiederum zwei junge Männer stehen. Die sofort mit Blick auf meine Nuria und Diego sagen: „Die gehören nicht zu uns.“ Und Diego und meine Nuria: Nicken. Und müssen noch eine Ausweiskontrolle über sich ergehen lassen. Wo sie denn wohnten, will eine Polizisten wissen: „Bei Oma und Opa.“ Erwidert Carlo. Woraufhin sie gehen dürfen. Beim Blick zurück sehen sie, wie die Polizisten den Kofferraum öffnen, in dem sich mehrere Monitore, Laptops und Computer stapeln. Unheimlich unheimlich.
Um die Ecke fährt ein großer Spezial-Lastwagen. Streut Pulver auf die Ölspur. Die offenbar das Auto der beiden jungen Männer hinterlassen hat. Einer Spur, die meine Nuria und Diego nun folgen. Und die nacheinander zu drei Häusern führt, vor denen weitere Polizeiautos stehen – in die eingebrochen wurde. Die Spur geht dann zur Schule zurück, wo das zerbeulte Auto steht.


Und ich denke so: Puuh, also, auch hier – alles ziemlich unheimlich. Und heimlich. Dazu kommt noch die Sperrung des Flughafens – wegen Drohnenalarms. Alles düster. Neblig. Irgendwie krank. Mir ist kalt. Ich kuschle mich an Coco. Kullere mich mit ihr. Spüre Vertrauen. Wärme. Stärke. Sagt der furchtsame Hauptstadtkater. Der gerne über sich wachen ließe. Und jetzt: Passt gut auf. Und chillt. Leute.