Tag: 20. Dezember 2025

  • 20. Dezember 2025

    Tag eins nach Cocos Wiederkehr – Herz schlägt Kopf

    Die Welt stand still. In den vergangenen Tagen. Als mich zunächst der Schock darüber, dass Coco so plötzlich verschwunden war, schachmatt setzte. Und dann die Ekstase, als sie plötzlich genauso unerwartet wieder auftauchte, in einen absolut geflashten Rausch versetzte. Der Zeit und Welt vergessen ließ. Und ich nun so merke – der Weltenlauf ist egal, wenn privado alles Chaos und außer Fugen ist. Wie auch noch am Tag eins nach Cocos Wiederkehr. Heute.

    Draußen, in der weiten Welt, ist es weiter eisigkalt. Zwischen den human beings. Kriege, Hohn, Spott. Ätzend. Gefühlskalt. Während ich zuletzt gemerkt habe: Innen im Revier, unter Freunden, da glimmt Glut – und wärmt. Entscheidend ist eben Gefühl, nicht Verstand – oder Herz schlägt Kopf. Denke ich so. Und starre Coco an. Die weiter so tut, als ob nichts passiert wäre. Und das selbst zu glauben scheint. Während sie auf dem Schoß chillt, auf dem ich gerne wäre. Dem von meiner Nuria. Die eben erst zurückgekehrt ist. Vom Studium aus Freiburg. Zu mir.

    Nun, Felix ist offenbar aus dem Glücksrausch erwacht. Wenn ich sein verharmtes Gesicht so betrachte. Ihn grämt ganz offenbar der Kater, he, he. Weil er nun endlich kapiert, dass er Schuld ist an dem ganzen Tohuwabohu der vergangenen Tage, Er war es, der Coco durch die Balkontür schlüpfen ließ. Und es nicht bemerkte.

    Und ich denke so: Das ist das Dilemma bei alten Menschen. Sie raffen es nicht mehr. Ihre Sensorik ist abgestorben. Ihre Antennen funktionieren nicht mehr. Und es wird nicht besser, sondern künftig immer schlimmer. So dass der logische Schluss wäre: Erlöset sie vom Übel. Schläfert sie ein.

    Nein, bisschen hart, gebe ich ja zu. Natürlich mag ich ihn auch. Ein bisschen. Mit seiner Unbeholfenheit. Und vor allem sehe ich: Auch jüngere Menschen sind unsensibel – oder anders: Der Mensch wurde quasi von Geburt an von der Natur vernachlässigt, was die Ausstattung seiner Sinnesorgane betrifft.

    Leider ist das auch bei meiner Bruna so. War bei der Coco-Suche fünf Mal auf dem Balkon – und nahm ihre Katze nicht wahr. The same with Diego. Und Laura – ich kann gar nicht zählen, wie oft sie auf dem Balkon war.

    Nun – dass sie Coco nicht wahrnahmen, kann natürlich auch daran liegen, dass sie gar nicht da war. Weil sie eben losgeflogen war. Getragen von ihren Flatterohren. Durch die Welt. Und dann einsah: Am besten ist es doch im Revier. Bei mir. Und zurückkehrte. Denn draußen, was gibt es da schon?

    Die USA beginnen gegen die Terrormiliz IS in Syrien einen neuen Krieg. Kremldespot Putin verspottet die EU wegen ihrer angeblichen Unfähigkeit, geeint zu agieren. Weil sie nun doch nicht wie unter anderem von Kanzler Merz gefordert, das in der EU eingefrorene russische Vermögen für die Ukraine nutzt. Sondern selbst einen Kredit von 90 Milliarden Euro an das von Russland angegriffene Land vergibt. Und die Russen so, feixend: Der gesunde Menschenverstand und das Gesetz hätten gesiegt.

    Forget it: Coco nimmt alle wieder für sich ein. Mit ihrem sanft-wilden Wesen. Auch ich bin hin und weg, obwohl sie mir meine Nuria und meine Bruna wegnimmt. Ich sehe: Ihre Absenz hat bewirkt, dass ich mich zu meinen Gefühlen bekenne: Ich mag sie sehr. Sehr sehr. Sagt der verliebte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Liebt und chillt, Leute.