Meine Horrorshow und erbarmungsloser Kampf der Generationen

Es ist der Alptraum: Mein Lieblingsplatz wird zur Horrorshow. Die Wäschetrommel. Wenn die Glastür zuschlägt. Das Ding beginnt zu knattern. Zu rotieren. Und das Schlimmste: Wasser. Stürzt auf mich. Ich hasse Wasser. Dazu noch Schaum. Der klebt. Stinkt. Ich werde emporgewirbelt. Es wird heiß. Zu heiß. Es wird laut. Zu laut. Alles dreht sich. Immer schneller. Ich sehe Laura durch die Glasscheibe wegstolzieren. Luft. Ist das letzte, an was ich denke. Exit.
So ist das, wenn ein Ignorant die Tür ohne Check schließt. Und die Maschine anstellt. Feinwäsche, 90 Grad. Ich habe in meiner Kindheit und Jugend oft in der Waschmaschinentrommel gechillt. So nice. So warm, eng, dunkel, duftend. Und wäre da fast Opfer geworden. Die Tür war schon zu. Als Laura dann doch mein klägliches Klagen noch rechtzeitig wahrnahm. Und sie gleich nach dem Start stoppte.


Und ich triefend nass und geschockt raushüpfte. Meine Leute: Lachten. Empathielos. Unfassbar. Nun habe ich. Ein Trauma. Na toll. Weil Menschen Wäsche waschen wollen. Unnötig. Aus meiner Sicht. Lecken hilft. Aber das wollen sie nicht sehen. Egoisten. Egozentrisch. Und bösartig. Oder verbittert.
Exemplarisches erlebte heute Felix. Auf dem Fahrradplatz vor dem Lidl. Wo neben ihm, um 14.28 Uhr, beim Abschließen seiner Rennmaschine eine Frau steht, 57 Jahre jung. Schätzt er. Sie telefoniert. Schimpft laut. Neben ihr eine Radtasche, vollgepackt mit Obst und Gemüse. „Nichts funktioniert mehr in diesem Land“, empört sie sich. Nicht mal die Post. Die unfähig sei, Päckchen wie angekündigt zu liefern. Alles sei kaputt und werde immer schlimmer, immer schlechter – hört Felix noch, bevor er in den Supermarkt entschwindet.

24 Minuten später empört sich die Frau noch immer. Schuld am Niedergang des Landes sei die Generation Z, analysiert sie. Von den 15- bis 30-Jährigen wolle ja niemand mehr arbeiten. „Die wollen nur Party, chillen und nehmen Drogen.“ Die Frau ist außer sich. „Wenn wir Baby Boomer erst mal alle in Rente sind und die arbeiten sollen, bricht endgültig alles zusammen.“ Ruft sie.
Packt ihre Radtasche ans Gefährt. Beziehungsweise: Versucht das. Was misslingt, weil sie ja nur eine Hand zur Verfügung hat, in der anderen ist das Handy. Die Tasche kippt um. Obst und Gemüse entleeren sich. Und ich denke so: Welch Frust reitet sie? Um diesen Hass zu verspüren? Der reicht, Generationen für Jahre auseinander zu dividieren. Und Felix kommentarlos wegradeln zu lassen.


Allein, Coco interessiert das alles nicht. Sie bleibt in der Waschmaschinentrommel liegen. Wie dereinst ich. Chillt. Ohne Ende. Und lässt sich nicht von mir warnen. Vor den Gefahren. Ja, das sind die Privilegien der Jugend. Denke ich so. Die sich nichts sagen lassen will. Von mir. Von den Alten. Und ich spüre Empörung in mir aufsteigen. Ob dieser Missachtung. Meiner.
Und rase zur Palme. Im Wohnzimmer. Kralle mich an sie. Und sie stürzt vom Fensterbrett. Mit mir am Stamm hängend. Es schmerzt kaum. Der Aufprall. Zum Glück. Sagt der traumatisierte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt seid gnädig mit anderen. Und chillt. Leute.