Tag: 7. Dezember 2025

  • 7. Dezember 2025

    Über die Sinnlosigkeit von Prognosen und absolute Gewissheiten

    Eintracht in der Zweisamkeit – I love it. Wenn Coco und ich zusammen auf dem Sofa im Wohnzimmer chillen, der Springbrunnen plätschert und die Lichterkette schwingt, dann weiß ich: Es ist Advent. Für mich. Was natürlich auch an ihr liegt: An Coco. Die mich mit ihrer Aura in meiner absoluten Nähe umgarnt. Wer hätte das vor kurzem prognostiziert? Dass wir beiden so eng together sein könnten? Niemand. Denke ich so. Angesichts der Hass-Liebe in unseren ersten gemeinsamen Wochen.

    Und ich sehe: Coco und ich – unsere überraschende Entwicklung ist ein kleines Beispiel fürs Große. Denn eigentlich sind Prognosen immer für den Mülleimer. Niemand kann alle Faktoren berücksichtigen, die zu Handeln führen. Klar: Vorhersagen treffen auch immer mal ein. Ist aber auch logisch  – meist steht die Chance für ein Ereignis ja bei 50:50. Puuh, etwas altklug, muss aber auch mal sein. Denke ich so.

    Ich bemitleide Menschen. Ob ihrer Obsession zu leiden. Wo es doch oft unnötig ist. Und sinnlos. Beispielsweise, wenn es um Zukunftsaussichten geht. So manche Zeitgenossen von Felix und Laura hegen Weltuntergangsfantasien. Fühlen sich angesichts des Aufstiegs der Rechtsextremisten von der AfD an die 1930er Jahre der Weimarer Republik und die Machtergreifung der Nazis erinnert. Haben Panik in sich, weil auch anderswo in Europa, in der Welt, vor allem in den USA, rechtsextreme Kräfte immer stärker werden – und Demokratien aggressiv infrage stellen.

    Und erinnern dann an sogenannte Experten, die vor gut 15 Jahren behaupteten, über die 10-Prozent-Marke werde die AfD nie kommen. Aktuell stehen sie in Umfragen bei über 25 Prozent, Tendenz steigend. Bundesweit.

    Und ich denke so: Bleibt mal locker. Denn: Geschichte wiederholt sich nie. Weil es heute ein Wissen gibt über das, was damals geschah. Heute gibt es anders als damals soziale Medien. Die Gesellschaften sind anders strukturiert. Die Gemeinschaften heute miteinander verflochten. Und: Rund drei Viertel der Menschen in Deutschland sind gegen die AfD.

    Ich lese meine Gedanken – und bin damit unzufrieden: Denn es klingt wie Appeasement. Was es nicht sein soll: Denn natürlich, die Entwicklung finde auch ich erschreckend. Und natürlich: Mit Engagement sollte Mensch sich dagegen wehren. Allein: Und das will ich sagen: Panik und Angst. Sind hemmend. Und nicht fördernd.

    Und: Eigentlich gibt es doch nur eins, was sicher ist: Dass niemand weiß, was geschehen wird. Denke ich so. Als plötzlich und unerwartet Coco auf mich springt. Und beginnt, mich zu lecken. Unfassbar. Ich genieße einfach mal. Und lasse meine Gedanken schweifen zu jenen Experten, die am 23. Februar 2022 – dem Tag der russischen Invasion in die Ukraine – behaupteten, Russland werde das nie tun. Ich denke an die Experten, die behaupteten, die USA stünden zur Nato. Um jetzt zu sehen, dass die USA in ihrer neuen Sicherheitsstrategie Europa als zu bekehrenden Gegner wahrnehmen. Und Russland als Geschäftspartner auf Augenhöhe.

    Gewissheiten schwinden. Sure ist nur: Chaos und Zerstörung sind allgegenwärtig, Menschen und Kater mittendrin – als Statisten. Reflektiere ich so. Während meine Liebkosereien mit Coco in einer wilden Rauferei eskalieren. Hätte ich nie für möglich gehalten. Dass solche Spielchen mal mit Coco möglich sein könnten. Als sie vor drei Monaten in mein Revier stolzierte. Sagt der harmoniebedürftige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Genießt das Überraschende in Gesellschaft mit Artgenossen. Und vor allem: Chillt, Leute. So lange das möglich ist.