Monat: November 2025

  • 10. November 2025

    Cocos Wasserspiele und mein Problem mit Nässe

    Wasser ist für Kater wie Feuer für Menschen. Besser nicht anfassen. Aber Mittel zum Zweck: Also: Zum Durstlöschen ist Wasser für meinereiner ok. Zum Wärmen ist Feuer für Menschen ok. Für Katzen natürlich auch.

    Bei Coco aber ist es anders. Sie. Liebt. Wasser. Säuft es nicht nur ohne Ende. Sondern peitscht mit ihrer Pfote durch die Fontäne des Trinkbrunnens. Balanciert auf dem Rand der gefüllten Badewanne, in der Diego gerade chillt. Und rutscht natürlich – bestimmt (un)absichtlich – rein. Goutiert das, ohne Diego zu zerkratzen (Anmerkung des Autors: Leider ohne Foto). Und ist selbstverfreilich beim Abwasch in der Küche dabei. Wenn der Wasserstrahl so nice aus dem Hahn strömt.

    Wasser – Lebenselixier. ich weiß. Das Problem: Ist. Seine. Nässe. Don`t like it. Aber: Das ist mal wieder klagen auf hohem Niveau. Denn es gibt genug Länder auf der Welt, in denen es an Wasser mangelt. Derzeit steht der Iran im Fokus. Dort sind viele Stauseen kurz vor dem Austrocknen, eine Dürre droht. Klimawandel – frage ich mich. Nun: Sicher ist, im Jahr 2025 hat es deutlich zu wenig geregnet. 15 der 31 Provinzen sahen im Oktober überhaupt keinen Regen.

    Wegen des Wassermangels hat die Regierung angeordnet, das Wasser nachts in der Hauptstadt Teheran – mit ihren rund 15 Millionen Einwohnern – zu sperren. Damit sich in dieser Zeit die Speicher wieder füllen können. Die Leute in der Stadt sollen in Behältern und Badewannen Wasser abfüllen. Und Toiletten? Frage ich mich so. Brauchen die Menschen eben auch Katerstreu. Denke ich so. Stark klumpend. Kann ich empfehlen.

    Nun, diese Wasserkrise im Iran kann sogar der Regierung gefährlich werden. Sagt Felix. Denn der Regierung werde vorgeworfen, Steuergeld in Konflikte anstatt in der Wasserversorgung investiert zu haben. Sollte es bis Dezember keine Niederschläge geben, erwäge die Regierung gar, die Hauptstadt zu evakuieren. Das allerdings scheint Humbug zu sein, reine Panikmache. Sagt Felix. Wohin sollten die Leute. Wo die meisten auch in der Hauptstadt arbeiten.

    Coco schlägt gegen den Wasserstrahl. Wieder und wieder. Lässt ihn sich über den Kopf rieseln. Schüttelt sich. Angstbefreit. Um das Spiel von Neuem zu beginnen. Nun, Felix freut sich. Über Fotos, die er davon schießt. Aber der Wasserstrahl rinnt sinnlos. Denke ich so. Diese Dekadenz. Kotzt. Mich. An. Sagt der trockene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute.

  • 9. November 2025

    Schlaf ist göttlich und der schläfrige Trump

    Schlafen, schlummern, chillen: Das ist Leben in Perfektion. Für mich. Really. Zwei Drittel des Tages verbringe ich – verbringt meine Spezies Statistiken zufolge – angeblich mit Schlafen. Bei mir ist es mehr. Bei Coco weniger. Viel weniger. Noch. Deswegen gleicht das sich in der komischen Statistik eben doch aus. Ich weiß nur: Schlafen ist göttlich. Und Schlummern, eine Art Vorstudium, ein einziges Spektakel an Ausbrüchen meiner Fantasie. Und alles natürlich voll gechillt.

    Nun eigentlich schlafen auch Menschen gerne. Wenn ich so meine Leute sehe. Kommen abends zwar offenbar nur schwer in ihre Betten, morgens – oder mittags – aber offenbar noch schwerer raus. Es gibt aber auch Menschen, die sehen Schlaf offenbar als Makel an. Als Schwäche. Wie US-Präsident Donald Trump. Vollkommen bekloppt. Denke ich so. So unentspannt. Nicht gechillt eben.

    Trump bezeichnete seinen Vorgänger Joe Biden immer wieder despektierlich als „Sleepy Joe“ – „Schläfriger Joe“. Weil der bei einigen seiner Auftritte so wirkte, als ob er gleich wegdämmern würde. Nun ist Trump selbst erwischt worden. Auf Videos und Bildern ist zu sehen, wie er auf einer Pressekonferenz über Preissenkungen für Abnehm-Medikamente im Weißen Haus mit Müdigkeit zu kämpfen scheint, er sich die Augen reibt, die ihm immer wieder zufallen.

    Und ich denke so: Why not? Der Mann ist ein Greis. 79 Jahre. Reist ständig um die Welt. Hat bestimmt Jetlag. Hat Probleme. Mit dem russischen Präsidenten. Mit dem chinesischen Präsidenten. Mit seinem Volk. Da würde auch jeder 35-Jährige mal einen Powernap machen.

    Tja, nun ist die Häme über Trump groß. Weil ihm eben das widerfährt, was er bei Biden so kritisierte.  Weil er Bidens Müdigkeit als Symptom für fehlende Fitness für das Amt des Präsidenten brandmarkte. Nun, ich denke so, das zeigt mal wieder: Menschen sind böse.“Dozy Don is back“ – also „der schläfrige Don ist zurück“, höhnen sie nun. Und wieder kann ich es kaum fassen: Denn wie kann man sich nur darüber lustig machen, dass jemand anders schläft.

    Schlafen ist so nice. Auf eine noch höhere Ebene wird es gehoben, wenn der Einschlaf-Vorgang mit Kuscheln einhergeht. Beispielsweise mit meiner Nuria. Die heute noch da ist. Aber morgen müde nach Freiburg abdampft. Oder mit meiner Bruna . Oder Diego.

    Und in solchen Momenten werde ich ganz milde. Kann sogar gönnen. Denn auch Coco liebt Kuscheln. Und so toleriere ich, dass Coco gar mit Diego knutscht. Oder mit meiner Alea. Denn Chillen, Schlafen, Schlummern sollte für alle sein. Sagt der schläfrige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Leute, jetzt chillt. Knutscht. Für einen noch besseren Schlaf. Und ein besseres Leben.

  • 8. November 2025

    Das Ende der DDR-Straßenlaternen und ich like Licht

    Ich like Licht! Vor allem Natürliches. Licht. Wie von der Sonne – hebt auch meine Stimmung. Gibt mir den Flow. Aber: Anders als meine menschlichen Mitgenossen, stehe ich auch auf Dämmerung. Das liegt in meinen Genen. Denn die Düsternis hilft bei der Jagd. Weil mich potenzielle Leckerbissen wie Mäuse oder so nicht sehen.

    Nun, ist hier in der Küche natürlich nicht nötig, ich weiß. Nicht so viele Mäuse zu sehen. Aber, ich will mal nicht zu unbescheiden sein – ich bin ein wirklich guter Jäger. Wegen meiner coolen Kateraugen. Die können auch bei schwachem Licht gut sehen – um ein Vielfaches besser als die von Menschen. Flow. Eben.

    Meine Leute bräuchten an diesem düsteren Novembertag dringend Licht. Denn sie sind depressiv. Traurig. Weil in ihrer Straße, in ihrem ganzen Revier die 50 Jahre alten Straßenlaternen mit den hässlichen, breiten Betonsockeln gegen moderne Leuchten mit Stahlständern ersetzt werden. Statt des sanften, orangenfarbigen, diffusen Lichts also künftig kaltes, helles Licht die Straßen erleuchtet. Sagt Felix. Das sei bitter. Und Laura: „Jetzt machen sie auch noch die letzten DDR-Errungenschaften kaputt.“

    Und ich denke so: Hej Jungs, hej Mädels, bleibt doch mal locker. Nur weil ihr alt seid, ist doch nicht alles Neue schlecht. Im Gegenteil: Vor ein paar Jahren hättet ihr es wahrscheinlich selbst noch gut gefunden, wenn die hässlichen Funzeln ausgetauscht worden wären. Die alten Betonstelen sind marode. Stehen nicht mehr gut. Und endlich wird LED-Licht erstrahlen. Der Energieverbrauch wird deutlich sinken.

    Felix und Laura aber jammern weiter: Das Flair gehe verloren, die Atmosphäre werde zerstört. Und ich denke so: So sind sie, alte Menschen. Hängen immer an ihrer Vergangenheit, die ihre Jugend symbolisiert. Selbst wenn es gute Argumente für Neues gibt. Selbst wenn das Alte nicht wirklich schön ist. Selbst wenn sie selbst das nun Verklärte vor wenigen Jahren selbst gar nicht schön fanden – sondern sogar verdammten.

    Die Vergangenheit lässt sie nicht los, die Alten. Laura schleppt meine arme Nuria mit ins Tacheles, einem mehr als 100 Jahre alten Gebäude, früher Einkaufspassage, heute Ausstellungshaus. Der DDR-Fotografin Helga Paris wird dort in einer Schau gehuldigt. Starke Fotos von DDR-Jugendlichen. Arbeitern, dem Alexanderplatz, Kneipen. Alltag einfach – ungeschönt, ehrlich, authentisch. Sagen meine Leute.

    Wie die DDR-Laternen. Denke ich so. Die bald verschwinden. Und ich genieße nochmal ihr orangefarbenes Licht, das durch die Fenster fällt. Höre meine Nuria tapfer zu den Alten sagen: „Echt spannend. Eure Vergangenheit ist meine Gegenwart.“ Dann widmet sie sich Coco. Die sich im Licht der Sonne auf dem Sofa rekelt.

    Nun, leider muss ich heute mal Felix und Laura recht geben. Das orangefarbene Licht der DDR-Laternen. Das in mein Revier strahlt. Macht mich wuschig. Bringt mich in Chillstimmung, Level elf von zehn. Hat berührende Wirkung. Auf mich. Lässt Schatten lebendig werden. In meiner Fantasie. Dimmt mich runter. Bringt echte Entspannung.

    Und: Mensch sieht so manches nicht: Dreck, Graffiti, über die Straße jagende Ratten. Sagt der lichtempfindliche Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt. Im diffusen Licht.

  • 7. November 2025

    Katze in Tortenform und Afrikaner im Ukraine-Krieg

    Es gibt solche Tage, Tage, an denen ich mich ganz klein machen will. Und dann so merke: Geht nicht. Weil ich zu groß geworden bin. Oder zu alt. Zu fett. Muskulös. Oder zu ungelenkig. Oder einfach einer Sache entwachsen bin.

    Geht auch Coco so. Die offensichtlich in Schallgeschwindigkeit wächst. Sie will sich heute mal in einer runden Spring-Backform verkriechen. Schlängelt sich rein. Allein: Der Schwanz passt nicht – zu lang. Und auch die rechte Pfote. Hängt raus. Aus dem vollen Haus. Und ich denke so: Egal. Soll sie doch so drinnen bleiben. Und dann möge sie in den Backofen geschoben werden. Und zum gar köstlichen Braten mutieren. Um dann: Nie. Wieder. Zu. Nerven.

    Also, ein ungewöhnlicher Tag. Katze in Tortenform. Als ob. Und leider, leider, leider – auch im russischen Angriffskrieg in der Ukraine muss Ungewöhnliches passieren, damit er von nicht direkt Betroffenen noch wahrgenommen wird. Nach weit mehr als dreieinhalb Jahren Krieg stumpfen Menschen ab. Der Krieg ist das Normal. Für die. Dekadenten. Beobachter. Wie mich.

    Eine Meldung, die mich aus dem Trott reißt: Die ukrainische Regierung berichtet, es hätten mehr als 1400 Bürger aus 36 – ja 36! – afrikanischen Staaten auf russischer Seite gekämpft. Und ich doppelt baff: Afrikaner kämpfen für Russen! Es gibt in Afrika so viele Staaten – und sehe nach Kurzrecherche: Yes, es sind sogar mehr als 50!

    Nun, die Ukraine bietet an, die in Kriegsgefangenschaft geratenen Afrikaner heimkehren zu lassen. Die meisten Söldner seien schon bei ihrem ersten Kampfeinsatz in Gefangenschaft geraten.

    Und dann wirft die Ukraine Russland vor, die Afrikaner, aber auch Menschen aus anderen Ländern, mit Geld oder unmoralischen Versprechen zu ködern. Einen Vertrag zum Kampfeinsatz für Russland zu unterschreiben, komme aber einem Todesurteil gleich, warnen die ukrainischen Regierungsvertreter. Der Kampf für Russland sei illegal und unmoralisch.

    Und ich denke an Coco. Sehe sie in der Tortenform. Brutzeln. Im Ofen. Hach, unmoralisch. Auch solche Gedanken. Ich weiß. Dann eben entspannen. Mit Gedanken an das größte Spinnennetz, das nun in einer Höhle in Griechenland entdeckt wurde. 111.000 Spinnen auf einer Netzfläche von 106 Quadratmetern. Puuh, das schüttelt selbst mich. Und ich frage mich, wer die Viecher gezählt hat.

    Während ich so sinniere, dreht sich Coco sichtlich genervt in der Tortenform. Und akzeptiert irgendwann. Ihre Größe. Jumpt raus. Und ich denke so: Schade, der Braten ist ein Gespinst. Besser als ein Gespenst. Puuh, schlechtes Wortwitz-Niveau. Rechtfertige ich durch meinen Hunger. Sagt der zählende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt Leute. Und zählt Spinnen. Und ihre Beine. 888,000, oder? Statt Schäfchen.

  • 6. November 2025

    Kuschel as kuschel can und Überraschungsbesuch meiner Nuria

    Manchmal wäre ich gerne ein Köter. Ich tätige diese – tatsächlich, räume ich ein – überraschende Aussage in gänzlich nüchternem Zustand. Bin zurechnungsfähig. Really. Denn: Wenn es um das Zeigen von Freude geht – dann weiß ich, dass das kein Lebewesen besser kann als Köter.

    Wie gerne hätte ich heute kötergleich gejault, gefiept, gesabbert, gewedelt, hyperventiliert. Allein: Es liegt nicht in meinem Naturell. Und so schleiche ich mich vor, als es an der Pforte zu meinem Revier schellt. Erwarte einen Postboten. Um dann zu erschauern. Zu erstarren. Denn da steht sie. Sie, meine Liebe. Meine Nuria. Die ich seit drei Wochen nicht mehr geschnüffelt habe.

    Sie ist hier. Will mich überraschen. Unangekündigt aus Freiburg gekommen. Und das ist so nice. So supernice. So Euphoria. Und ich realisiere mal wieder: Überraschungen können auch positiv sein. Und so will ich heute dabeibleiben. Bei den positiven Erzählungen. Und Überraschungen.

    Und komme zu Angelina Jolie. US-Hollywoodstar. Die reiste überraschend in die umkämpfte südukrainische Stadt Cherson. Um mithilfe ihrer Prominenz aufzuzeigen: In der Ukraine herrscht weiter brutaler Krieg. Auch wenn nicht täglich über das Leid in dem Land berichtet wird, über den alltäglichen Drohnen- und Raketenbeschuss durch Russland.

    Und die Menschen vor Ort – sie leiden. Sie brauchen Hilfe. Ich. Bewundere. Diese. Frau. Wie sie sich da nahe der Front mit kugelsicherer Weste in einem Keller eines Kinderkrankenhauses stellt und Kinder trifft. Während jederzeit Drohnen auf sie regnen können.

    Für mich ist auch meine Bruna eine Heldin. Sie kuschelt mich. Trotz Baby Coco. Das sich ständig in den Vordergrund spielt. Spüre ich. Dass ich die Nummer eins meiner Bruna bin. Und so erstrahle ich, als sie heute spätabends erschöpft aus der Staatsoper zurückkommt. Und mich auf den Arm nimmt.

    Meine Bruna ist weniger erschöpft durch die Oper Romeo und Julia. In der die Heldin überraschend blauen Haare hat und deutlich jünger als ihr Geliebter ist. Wie meine Bruna findet. Sondern erschöpft durch den einen Kilometer langen Spurt vom Schloss zur Oper. Um pünktlich da zu sein zum Start. Weil zuvor zwei Busse ausgefallen waren. Das nun allerdings ist wenig überraschend. In Berlin. Für Berlin. Denke ich so.

    Nun, heute ist der Tag, an dem ich Überraschungen lieben will. Und ich jumpe voller Leidenschaft auf den Schoß meiner Nuria, meiner Super-Überraschung. Kuschel as kuschel can ist angesagt. Und überraschend kann ich heute auch mal gönnen. Dass Diego sich Coco widmet.  Oder Coco Diego.

    Egal, wie auch immer. Hauptsache Toleranz. Sagt der überraschte, kötergleiche Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und sagt: Jetzt chillt, Leute.

  • 5. November 2025

    Der manipulierende manipulierte Hauptstadtkater

    Manipulation, wohin ich blicke. Auch rund um mich. Natürlich hasse ich Wein. Ist mein Tod. Natürlich suche ich immer nach Leckerli. Sind mein Leben. Und lasse mich so manipulieren. Von Felix. Und – besonders bitter: von meiner Bruna.

    Die legt ein Leckerli auf den Korken der Weinflasche. Um mich anzulocken. Ich lasse es zu. Weil Felix nette Fotos will. Mit mir und dem Gift. Soll er haben. Denke ich so. Hole mir das Leckerli. Und verschwinde schnell. Auf dass er das unwürdige Spiel häufig wiederhole. Mit Hilfe meiner Bruna.

    US-Präsident Donald Trump versuchte die Menschen in seiner Geburtsstadt New York zu manipulieren. Nun, er ist gescheitert. Er wollte die Wähler in der größten US-Stadt davon abhalten, einen 34-jährigen Muslim namens Zohran Mamdani zum Bürgermeister zu wählen.

    Indem er drohte, ansonsten würden die Staatszahlungen an New York gestrichen. Denn Mamdani sei ein gefährlicher Kommunist – wütete der US-Präsident. Es nutzte nichts. Mamdani, der sich selbst als demokratischen Sozialisten bezeichnet, gewann die Wahl mit großem Vorsprung.

    Der Mann, der in Uganda geboren wurde und indische Wurzeln hat, wurde erst 2018 US-Staatsbürger. Mamdani versprach im Wahlkampf Mietendeckel und kostenlose Busse. Und punktete so. Wird nun mehr und mehr zum Feindbild Trumps. Allerdings nicht unbedingt zum Hoffnungsträger seiner eigenen Partei. Den Demokraten, von denen viele seine Israel-Kritik ablehnen und seinen Kurs für zu links halten. Aber ich sehe: Trump ist die Manipulation nicht gelungen. Nice.

    Von Manipulation berichtet auch die 16-jährige Tochter Nele von Felixens Freund Ian. Sie ist empört über ihren Mathelehrer, einem vor vier Jahren von der Uni gekommenen Dozenten und Quereinsteiger, der nun am Gymnasium in einem Mathe-Grundkurs Klausuren schreiben lässt, die Uni-Niveau hätten. Sagt Nele. Fast alle Schüler aus der Klasse hätten keine Chance, bei der Klausur auf fünf Punkte zu kommen, moniert sie.

    Und schimpft: „Der manipuliert uns total. Will, dass wir nur noch Mathe leben. Sagt, wir sollten unsere Hobbys aufgeben und auch der Oma absagen, wenn sie zum Kaffee einlädt. Um uns in dieser Zeit mit Mathe zu beschäftigen.“ Viele Mitschülerinnen weinten, seien völlig fertig. Und Ian meint, das Problem mit dem Lehrer sei seit Beginn bekannt. Allein, es gebe keine Lösung. Weil es keine Mathelehrer gebe.

    Ich spiele das unwürdige Spiel mit meiner Bruna weiter mit. Weil ich Hunger habe. Lasse ich mich manipulieren. Tue so, als ob ich am Weinglas nippe. Und sahne Leckerli um Leckerli ab. Sehe, dass Coco das Spiel nicht rafft. Und drehe den Spieß um.

    Manipuliere meine Leute. Die mir immer mehr Leckerli geben. Weil sie denken, dass ich ansonsten nicht hinter dem Weinglas posieren würde. Dessen Duft ich nun doch goutiere. Ich schwebe. Euphoria. Aber das müssen sie ja nicht wissen. Sagt der manipulierte manipulierende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute.

  • 4. November 2025

    Kotzender Kater mit Kater und die krasse Erderwärmung

    Der Wein ist mein. Ich komme nicht davon los. Werde magisch angezogen. Vom Duft. Er schnuppert so delicious. Und steigert mit jedem Inhalieren meinen Chill-Level. In Sekundenschnelle. Und so hänge ich wieder an der Pulle. Und frage mich erschrocken: Ist das Sucht? Wäre keine Wucht.

    Boah, ist mir warm. Würde gerne den Pelz ablegen. Denn nun prallt auch noch die Sonne. Auf meinen Kopf. Und ich denke so: Eigentlich mag ich Wärme. Aber das ist selbst mir zu viel. Im November. Wo doch schon die Heizungsluft mich umflirrt.

    Allein – es wird noch viel wärmer werden. Demnächst. Bis Ende des Jahrhunderts prognostizieren die Vereinten Nationen eine weltweite Erwärmung um 2,8 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit – also so das Jahr 1850. Vereinbartes Ziel war eine Erwärmung von höchstens 1,5 Grad, nur so könnten die Folgen beherrschbar bleiben, hieß es vor wenigen Jahren. Dieses Ziel werde schon im kommenden Jahrzehnt überschritten. Sagen die Vereinten Nationen nun.

    Fuck, denke ich so. Und merke nun durch Eigenerfahrung: Frustabbau wird leichter gemacht durch Vino. Herrlich, als ich weiter an Felixens Glas schnuppere. Cabernet Sauvignon. Aus Chile. Mit noch mehr Sonne würde er noch mehr Süße bekommen. Denke ich so. Fühle mich wie ein schlechter Sommelier. Und deprimiert.

    Ein Schwindel erfasst mich: Wirbelstürme, Überschwemmungen, Hitzewellen, Dürren, Erdrutsche – und dadurch ausgelöste Massenflucht von Milliarden Menschen. Und Tieren. Katern. Kätzchen. Überflutetet Inselparadiese. Schmelzende Gletscher. Eine andere Welt.

    „Wenn es so weit ist, was werden uns unsere Enkel und Ur-Enkel vorwerfen?“, fragt Felix mit glasigen Augen. Und stößt mich rüde von seinem Glas weg. „Wir wussten es – und tun doch nichts dagegen. Erneuerbare Energien, Windkraft, weniger Verbrauch, Ernährung…“, lallt er. Und ich denke so: „Trink Alta. Und träum von Barcelona. Und Deinem Flug dahin, vor anderthalb Wochen.“

    Felix lamentiert, zerflossen in Selbstmitleid. Und merkt nicht, wie ich weiteren Duft inhaliere, vom Wein. Des Lebens. Die Übelkeit steigt. Ob des Zusammenspiels übermäßigen Alkoholkonsums mit Nachrichten, die keine sind. Aber verbreitet werden. Geklickt werden – mehr als Warnungen der Vereinten Nationen.

    Beispielsweise die News, dass der Köter von Mick Schumacher gestorben ist. Mick ist der Sohn der Formel-1-Legende Michael Schumacher. Sein Hund Angie sei sein Schatten gewesen. Trauert Mick. Und ich denke so: Dann muss Mick die Sonne sein. Die ich löschen muss. Ich finde ihn nicht. Würde ihn gerne anpullern. Ankotzen. Spüre Verwirrung im Kopf. Ein heftiges Stechen.

    Höre aber noch Felix, wie er nun liest, der älteste Mann Deutschlands sei gestorben. Mit 110 Jahren. Überhaupt: Immer mehr Menschen in diesem Land würden 100 und älter. Und ich denke so: Die haben dann noch die echte Kälte erlebt. Damals, Anfang des 20. Jahrhunderts. Mir ist so übel. Ich schwanke.

    Felix streichelt mich. Besorgt. Empathisch. Ich will weg. Vom Vino. Der mich anzieht. Weil er übertüncht. Die Realität. Der ich ins Auge schauen will. Ich muss kotzen. Der Kater leidet unter dem Kater. Sagt der erhitzte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und sagt: Jetzt chillt. Leute.

  • 3. November 2025

    Die fünf Trink-Phasen und die blauen Köter von Tschernobyl

    Wein ist Leben. Scheinen Menschen zu denken. Weil er sie in den Modus versetzt, der für uns Kater selbstverständlich ist: Der Chill-Modus. Wenn Felix und Laura ihren chilenischen Montes, ein Cabernet Sauvignon, entkorkt haben, ist immer dasselbe Schema zu erkennen. Phase eins: Dauergrinsen, Phase zwei: Dauergelaber. Phase drei: Dauer-Kontrollverlust. Der gefährlich ist. Weil sie es plötzlich witzig finden, wenn ich mich an ihrem Wein berauschen würde. Für Katzen ist Wein: Tod.

    Phase Drei kündigt sich an, wenn Felix nach einer äußerst kurzen Chillphase unvermittelt versucht, geistreich zu sein: „Ich denke mal, Trump ist nur Symptom einer postfaktischen Gesellschaft, in der Wahrheit und Macht nicht mehr zusammenpassen. Eigentlich ein Paradoxon“, sagt er. Und ich merke, wie sehr er sich bemüht, deutlich zu sprechen. Und Laura ist getriggert, antwortet – gleichfalls sichtlich bemüht um klare Aussprache – mit Blick auf mich: „Ein Paradoxon wie das Bild, das wir uns von Katzen machen – ihr Drang nach Freiheit und ihr Leben in einer kleinen Stadtwohnung bei uns.“

    Ich schnuppere am Wein. Und dessen Blume. Wie Menschen den Duft nennen. Törnt. Mich. Tatsächlich. An. Wohlig ist es. Warm. Weich. Gechillt. Und der Quatsch, den meine Alten labern, verschwimmt zur bloßen Klangkulisse. Ich denke: So zum Fremdschämen. Denn – sorry für mein Dozieren – sie schildern keine Paradoxa, sondern einfache Widersprüche. You know: Ein Paradox ist nur scheinbar widersprüchlich und regt durch Irritation zum Nachdenken an. Die sogenannten Weisheiten von Felix und Laura: Regen zum Kopfschütteln an.

    Nun, ich bin in einem euphorischen Flow gelandet. Vor mir erscheinen blaue Köter. Bin ich blau? Nein, albern, sage ich mir selbst. Sehe die Blau-Köter auf dem Gelände eines Atomkraftwerks laufen, dessen Reaktor explodiert ist. Und ich höre meine Leite murmeln: Tschernobyl, 1986, Explosion, kontaminiertes Gelände, Tausende Strahlenverseuchte, Zehntausende Menschen, die ihre Köter zurückließen, die sich nun unkontrolliert vermehrt haben. Und ob der Strahlung blau geworden sind.

    Nein, höre ich ihre Stimmen durch meinen Rausch fliegen. Märchen! Für die Färbung sei nicht Strahlung verantwortlich. Sondern Tierärzte. Die die Köter sterilisiert und diese dann mit blauer Farbe markiert hätten. Damit sie sich nicht weiter unkontrolliert vermehren. Also doch: In vino veritas. Beim Menschen zumindest.

    Und ich bin froh, dass ich Farben erkennen kann. Zumindest Blau. Grün. Gelb. Rot nicht. Aber dafür können wir Kater besser als Menschen im Dunklen sehen. Und so sehe ich im Schummerlicht die Katastrophe kommen: Felixens Hand touchiert unkontrolliert zitternd die Weinflasche. Ich hüpfe weg, bevor sich ihr offenbar roter Inhalt über mich ergießen kann. Bei Felix und Laura hat Phase vier begonnen: Dauertanz mit Dauergesang. Der schnell in Phase fünf mündet: Dauer-Kater.

    Womit ich wieder ins Spiel komme. Zum Trösten. Sagt der trunkene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt, chillt Leute. Und. Trinkt. Nicht. Zu. Viel. Vino.

  • 2. November 2025

    Vom Leckerli zur Armut

    Really! Ich mag kleine Kinder! Die sind noch so rein. Frisch. Offen. Rein. Ehrlich. Denise, zarte sechs Jahre, und ihr Bruder Will, zarte vier Jahre, sind heute bei Coco und mir. Um uns zu bespielen, weil meine Leute mal wieder weg sind.

    Nun, Denise und Will strahlen. Als sie uns sehen. Jauchzen, als wir auf sie zulaufen. Frohlocken, als sie uns touchieren dürfen. Und Coco und ich senden so unsere Gedanken an die Kinder: „Und nun – gebt uns endlich unsere Leckerli.“ Sie wissen, was wir wollen. Auch ohne Worte. Blicke reichen. Weil sie sensibel sind. Unverfälscht. Unverdorben. Und sie geben uns. Nur allzu großzügig.

    Sind die großen Menschen nicht. Bei ihnen überwiegt Geiz. Aus Eigennutz. Verpackt unter dem Tarnmantel der geheuchelten Nächstenliebe. „Hach, ihr dürft nicht zu viele Leckerli“, sagt Felix immer wieder. „Ungesund – und ihr werdet noch dicker.“

    Abgesehen von seinem absolut nicht political korrektem Bashing gegen Dicke – was mich nun auch überhaupt nicht betrifft. Stimmt es nicht. Leckerli machen schön. Finde ich. Damit ist mal wieder bewiesen: Erwachsene Menschen sind engstirnig. Egoistisch. Und ich denke so: Vielleicht ist das sogar nötig. Um in dieser Welt überleben zu können.

    Aber Achtung, jetzt schwinge ich das ganz große Rad – vom Leckerli zur globalen Armut. Also: Klar ist, dass der Reichtum sehr ungleich verteilt ist. Und jene, die wenig haben und das ungerecht finden, dann auch mal klauen. Ob es das bringt, ist dann wieder eine ganz andere Frage.

    Zumindest kommen Menschen, die sich arm fühlen, auf kuriose Ideen. Manchmal ganz cool, weil sie – wie jüngst beim Diebstahl von Diamantenschmuck aus dem Pariser Louvre – katzengleich ausgeführt wurden. Was bedeutet: Mit List, einer Portion Dreistigkeit und Geschick.

    Die Diebe ließen sich – kurz nach Louvre- Öffnung gegen 9.30 Uhr – per Lkw-Hebebühne auf einen zehn Meter hohen Balkon des Ausstellungshauses bringen, liefen dann in einen Saal, brachen Vitrinen mit einem Trennschleifer auf und erbeuteten acht Schmuckstücke im Wert von geschätzt 88 Millionen Euro, bevor sie mit Motorrollern flüchteten. Der Einbruch dauerte weniger als zehn Minuten.

    Sorry, ich will Kriminelle gar nicht bewundern. Es zeigt eben nur, dass auch Menschen kreativ werden können. Wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen. Allerdings: Bereits jetzt hat die Polizei ein paar Verdächtige geschnappt. Lohnt sich also offenbar doch nicht. Denke ich so.

    Der Schmuck allerdings ist weg. Noch. Wie meine Leckerli. Und so haue ich Coco, weil sie schon wieder mehr davon von Denise bekommen hat. Nur weil sie Baby ist. Will erkennt. Die Lage. Und gibt mir Nachschub. Nice.

    Am Abend dann platzt dann eine Überraschung rein: Ich – und auch Coco – bekommen von den Kindern einen Brief, auf den mein Katergesicht gemalt ist Eine Liebeserklärung. Sie finden uns süß. Wollen uns öfter sehen.

    Und ich denke so: „Hach, herzallerliebst.“ Fühle einen Kloß in meiner Kehle. Würde gerne ein paar Tränen der Rührung verdrücken. Was Kater – anatomisch bedingt – ja leider nicht können. Aber wieder mal merke ich, wie gut Anerkennung tut. Schmeckt süßer als Leckerli. Zumindest, wenn man satt ist. Sagt der gerührte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute.

  • 1. November 2025

    Zwischen Vergangenheit und Zukunft

    Meine Gegenwart ist Coco. Coco überall. Auch auf meiner Bruna. Und so ersehne ich mir die gute alte Vergangenheit. Als mein Mitkater Moro noch da war. Und mich biss. Oder nach seinem Tod die Ruhe und Einsamkeit. Die mich so anödete. Und ich denke so: Alta, bin ich anspruchsvoll. Merke zeitgleich Cocos Pfote durch meinen Schnurrbart peitschen. Nerv. Aber Emotion. Und Leben. Pur. Real.

    Meine Leute sind zu den Großeltern meiner Bruna nach Hamburg gereist. Deren Vergangenheit ungleich größer ist als die meine. Meint Opa Volker. Die Gegenwart drehe sich immer schneller. Obwohl man eigentlich immer weniger mache. Und ich denke so: Liegt vielleicht daran, dass deren Vergangenheit immer weiter wächst. Und die Gegenwart im Vergleich dazu immer kleiner wird. Anteilig.

    Puuh, ich werde offenbar alt. Gestern meine altbackenen Lästereien über ein eigentlich cooles Fest wie Halloween. Heute komplizierte Sätze, die eh niemand versteht. Also mal konkret. Opa Volker und Oma Lotte meinen, früher hatten die Menschen sich stärker gegenseitig umeinander gekümmert. Heute seien die Nachbarn zwar nett, aber der große Zusammenhalt sei weg. Alles so unverbindlich.

    Sie erzählen von früher. Kriegszeiten. Hunger. Die Mutter von Opa meiner Bruna musste auf dem Feld Kartoffeln ernten, Kühe melken – obwohl sie das zuvor nie getan hatte. Weil der Vater nicht mehr als Lehrer arbeiten durfte. Fünf Söhne mussten ernährt werden, Opa Volker wurde zu einer Tante in eine nahe Stadt gegeben, die mehr hatte, weil sie in der Werksküche des Rüstungsunternehmens Hanomag arbeitete. Ständig habe es Haferschleim gegeben. Erzählt Opa Volker. Heute habe er Ekel davor.

    Diego erzählt von seiner Wanderung vor zwei Monaten durch die Anden auf über 4.500 Metern in Peru. Karge Berglandschaften, unberührte Seen, faszinierende Gipfel, Esel. Katzen. Und zum Frühstück immer Massen an Haferschleim. Fünf Tage.

    Opa Volker erzählt, er habe die Bomber gesehen, die das 25 Kilometer entfernte Hildesheim angegriffen hätten.  Und den Feuerschein danach, der tagsüber fast bis in den Harz herübergestrahlt habe.

    Diego erzählt von dem nächtlichen Aufstieg auf einen Gipfel. Von wo aus er und seine drei Freunde die Sonne aufgehen sahen. Glutrot.  Unfassbar schön.

    Später sei er dann durch Hildesheim gelaufen – oder dem, was davon übriggeblieben sei. Erzählt Opa Volker. Es habe ausgesehen wie heute der Gazastreifen. Ein Trümmerfeld.

    Oder die Ukraine. Sagt Oma Lotte. Wenn sie Bilder von den aktuellen Kriegen sehe, werde sie in ihre Kriegszeiten zurückversetzt. Sehe die sogenannten Christbäume wieder – Leuchtraketen der Alliierten, mit denen sie Ziele markierten für die Bomber. Oma Lotte erzählt von ihrer Mutter, die alleinerziehend drei Kinder großziehen musste – und dafür in einer fremden Stadt fremde Menschen massieren musste.

    Und ich denke so: Vergangenheit ist eben doch oft hässlich. Warum sie trotzdem verklärt wird? Nun, ich denke: Weil sie irreal ist. Und die Gegenwart zwar real, aber eben deswegen noch unerträglicher. Ich merke: Ich beginne schon wieder zu faseln.

    Spüre Cocos nächsten Schlag. Jage sie. Bis sie aufschreit. Wie immer. Und Trost sucht. Bei meiner Bruna. Aber was ist mit der Zukunft? Will ich nicht wissen. Sagt der gegenwärtige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und sagt: Chillt, Leute.