Perspektivwechsel: Barcelona für Palästina

Meine Leute streunen derzeit ja durch Barcelona. Eine Stadt, in der sich viele Menschen einen eigenen Staat Katalonien wünschen. In der sich viele Menschen durch die spanische Zentrealregierung in Madrid unterdrückt fühlen. Und in der es vergangene Woche ziemlich abging. Tausende protestierten hier für die Palästinenser im Gazastreifen und gegen die israelische Armee. Warfen der Armee Genozid an den Palästinensern vor.
Und meine Leute sehen überall in der Stadt: Zeichen, die die Unterstützung der Palästinenser fordern. Graffiti mit leidenden Palästinensern und Hassbotschaften gegen Israel. Weil sie sich mit den Palästinensern verbunden fühlen – Menschen, die einen eigenen Staat wollen und sich unterdrückt fühlen. Wie eben die Katalanen auch.


Undenkbar, solche Zeichen, vor allem in dieser Masse und Intensität hierzulande. Denke ich so. Die würden sofort entfernt, die Verursacher wegen Antisemitismus verfolgt. Anders offenbar in Barcelona. Anderes Volk, anderes Land, andere Geschichte, andere Perspektiven. Denke ich so. Und blicke auf Coco. Die schon wieder mein Futter vertilgt. Offenbar in dem Bewusstsein, es stehe ihr zu. Als heranwachsender Katze.


Felixens Bruder Chris schickt ein Video von einer Talkshow aus dem Jahr 1981. Damals war er selbst, also Chris, erst acht Jahre. Nun, die Show wurde von einem Talkmaster namens Fuchsberger moderiert. Auf der Talkshow-Couch saß eine 19-jährige junge Frau, die gerne eine Stelle im öffentlichen Dienst angetreten hätte, aber wegen ihrer Körpermaße abgelehnt wurde. Fuchsberger rief nun in der Sendung den damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Strauß an und fragte, ob er der jungen Frau helfen könnte.
Und Strauß? Fragt die junge Frau nach Größe und Gewicht, meint dann, in dem Alter sei er selbst noch schlank gewesen. Die junge Frau müsse tatsächlich an sich arbeiten und streng zu sich sein. Diszipliniert. Damals verursachte diese Reaktion keinen Aufschrei, im Gegenteil. Nur eine 15-jährige Jung-Schauspielerin namens Nosbusch, ebenfalls in der Talkshow, zeigte Mut: Gewicht dürfe doch bei einer Einstellung kein Kriterium sein. Sagte sie. Und wurde wegen dieser Aussage zunächst einmal aus der Öffentlichkeit verbannt.
Ich denke so: Die Welt hat sich eben doch gedreht. Ziemlich stark sogar. Und ein großes Stück zum Besseren. Ich verjage Coco. Von meinem Fressnapf. Aber erst, nachdem ich ihr Nassfutter vertilgt habe. Perspektivwechsel eben. Nice. In diesem Fall. Sagt der satte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute.