Lauras Ode an Bücher und meine Staub-Allergie

Auch Kater können allergisch sein. Merke ich so – niesend. Als sich der Staub langsam legt, erkenne ich mein Revier nicht wieder: Bücher. Hunderte Bücher. Auf dem Teppich, auf den Stühlen, dem Sofa, der Bank, den Tisch – überall. Laura hat sie aus dem Regal geholt. Abgestaubt. Weil sie unberührt seit Jahrzehnten dort lagerten. Also als Staubfänger mit intellektuellem Touch fungierten. Wie Felix ätzt.
Nun, er hat ja Recht. Mit Büchern kann selbst ich nichts anfangen. Bleiwüsten auf Hunderten von Papierseiten. Wie viele umgeholzte Bäume wohl allein hinter diesen Büchern vor mir stecken? Frage ich mich. Und denke dann: Sie sind unnötig. Viel zu klein, um darauf chillen zu können. Zeitungen sind da schon besser. Und die Bücher: Stehen ja ohnehin nur rum. Dann auch noch ungelesen. In Regalen.


Laura aber findet sie inspirierend, die Bücher. Sie enthielten tolle Gedanken, regten die Fantasie an. Und sie fügt dann – fast ein wenig böse hinzu: Wieso merkten das diese Ignoranten in aller Welt nicht. Bücher zögen in andere Welten, das Lesen stärke das Gehirn, die Konzentration, das Gedächtnis, langfristig sei es ein Mittel gegen Demenz, wissenschaftlich belegt. Der Wortschatz werde größer, das Ausdrucksvermögen gesteigert, Menschen lernten, komplexe Zusammenhänge zu verstehen, Lesen fördere Empathie und Verständnis für andere, auch für gänzlich fremde Lebenswelten. Und vermittle Wissen. Und weiter Lauras Ode an das Lesen von Büchern: Das gebe Ruhe, Entspannung.
Und ich denke so. Das ist ja wie Chillen. Aber: Schaue sie mich doch an. Um sich anregen zu lassen. Ganz ohne Buch. Und trotzdem. Es läuft nicht gut für das Buch. Eine Freundin von Laura hat einen Buchladen. Sie macht dicht. Bald. Zu hohe Miete. Zu wenig Käufer. Zu viel Arbeit. Sie liegt im Trend: 3000 Bucheinzelhändler gab es 2023, fünf Jahre zuvor waren es noch fast 4000. Heute dürften es nochmal weniger sein.
Und nun, mal ehrlich gemacht. Auch ich bin traurig. Über diese Entwicklung. Denn: Klar, ich mag Geschichten, mag natürlich auch Bücher. Wollte ja nur mal provozieren. Mit meinen Worten gegen Bücher. Für den Aufschrei. Für die Bücherkultur. Bin doch ein Lesekater.
Immerhin: Derzeit läuft in Frankfurt am Main die traditionelle Buchmesse – die immer noch ein Erfolg ist. Sie ist die größte Messe ihrer Art. Mit Hunderttausenden Besuchern. Ein Grund für den nachhaltigen Erfolg: Sie hat sich geöffnet, stellt neuen Trends Raum zur Verfügung, um selbst zu profitieren – mit dabei sind auch TikTok-Stars und Manga-Helden.


Ich muss nicht überzeugt werden. Von Büchern. Stolziere über den Bücherberg. Niese erneut. Spüre aber dann unter mir die Erhabenheit. Des Shakespeares. Des Hemmingways. Bin quasi der alte Mann. Sehe Coco. Und denke. Sie ist mein Meer.
Laura wischt den Staub der Jahrzehnte weg. Strahlt. Ist Königin der Bücher. Und ich denke so: Diese Strahlen ist jedes Buch wert. Sagt der niesende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und sagt: Chillt, Leute. Und lest. Bücher.