Euphoria am historischen Tag nach zwei Jahren Geiselhaft

Cool. Apart. Taff. Und jetzt, liebe Leserin, lieber Leser – zieht mal die Anfangsbuchstaben der drei Adjektive vom Beginn meines Textes zusammen. Yes: CAT. Katzen. Cool, apart und taff – das sind wir. Was bedeutet: Kommt fast nie vor, dass wir mal überreagieren. Uns von Emotionen mitreißen lassen.
Heute aber – spüre ich ein Vibrieren in der Luft. Das meine Schnurrbarthaare erzittern lässt. Und Coco geht es genauso. Ein special day. Felix behauptet: „Historisch.“
Und so läuft der Fernseher bereits morgens. Ich höre Jubel, aufgeregte Stimmen, sehe zig Menschen. Weil: Die Terrororganisation Hamas heute tatsächlich die 20 letzten Geiseln, die noch lebten, frei gelassen hat. Und die – nach mehr als zwei Jahren Gefangenschaft – in ihre Heimat Israel zurückkehren können. Empfangen von ihren Familien und Freunden.


Herzzerreißend. Finde selbst ich. Als ich die Emotionen sehe. Und wieder mal stelle ich fest – mein Defizit: Ich kann nicht weinen, die Tränen kommen nicht.
Nun, Coco und ich kleben uns direkt an die Fernseh-Mattscheibe. Um dicht dabei zu sein. Bei den flackernden Lichtern, Schatten, Bewegungen. Ich weiß natürlich, wie sinnlos es ist, sie catchen zu wollen. Baby-Coco aber ist voll dabei. Bei der Begrüßung der Geiseln.
Nun, wir sind nicht nur CAT – siehe oben. Sondern auch weise. Reflektiert. Und so muss heute auch ich mich mal hinterfragen: Dieser Triumph, der da heute gefeiert wird, der ist maßgeblich einem Mann zu verdanken, den ich hier in meinen „Gedankenfetzen“ regelmäßig verdamme: US-Präsident Donald Trump.
Von ihm ist der Friedensplan, den die Hamas und Israel akzeptierten. Der Waffenruhe im Gazastreifen bedeutet, die immerhin seit fast vier Tagen hält. Und der bedeutet, dass die Geiseln freikommen. Auch Palästinenser dürfen sich freuen: Rund 2.000 werden aus israelischen Gefängnissen entlassen.


Ich frage mich, ob die Geiseln jemals wieder ein unbeschwertes Leben führen können. 738 Tage waren sie in düsteren Tunneln eingesperrt, wurden gequält, gedemütigt, hatten Todesangst, waren hoffnungslos, mussten die Bombardements Israels aushalten. Und die palästinensischen Häftlinge? Sie treffen im Gazastreifen ihre Familien wieder. Aber in einer Trümmerwüste.

Und nun? Trump lässt sich feiern. Reist in den Nahen Osten. Gibt den Abgeordneten im israelischen Parlament den Rat, die Korruptionsermittlungen gegen ihren Premier Benjamin Netanjahu mal sein zu lassen, weil das ein cooler Typ wäre, unterschreibt dann in Ägypten eine Erklärung mit lauter Absichtserklärungen, nach denen in Nahost Frieden herrschen soll – ohne zu erklären, wie.

Und ich merke so: Trump ist und bleibt ein Arsch. Für Mensch in Nahost kommt jetzt erst die richtig schwierige Phase. Eigentlich soll die Hamas entwaffnet werden. Die aber schwört Israel weiter Vernichtung, während Israel schwört, die Hamas dürfe nie wieder Macht bekommen.
Coco klebt am Bildschirm. An den Jubelnden, quasi. Soll sie erst mal deren Glücksgefühle aufsaugen., Euphoria. Tut auch mal gut. Depri kommt schnell genug zurück. Coco spürt es. Ich spüre es. Also: Moment genießen. Ist historisch. Sure. Sagt der Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Chillt.