Tag: 8. Oktober 2025

  • 8. Oktober 2025

    List und Lust des Veggie-Katers

    Natürlich können auch wir Kater Gefühle zeigen. Nicht durch Weinen, Wehklagen oder Jubeln. Sondern durch Handeln. Das den Menschen vorführt. Ihn empören soll. Klappt nicht immer – weil der Mensch selbst das Offensichtliche nicht rafft. Was mich zu meiner Frage führt: Sind wir Kater in unserem Agieren vielleicht zu subtil? Und setzen zu hohe Erwartungen in ihn – den Menschen?

    Felix beispielsweise rafft es nicht. Obwohl es ihm Kater Iby so großartig spiegelt. Was er von seiner Betreuung hält. Nämlich: Nichts. Also: Felix geriert sich wieder mal als oberster Katerflüsterer und rühmt sich, Kater Iby, jenen Britisch Kurzhaar von Lauras Freundin Josephine, betreuen zu dürfen.

    Weil der sonst verhungern würde. Weil dessen Menschen ohne ihn urlauben. Iby macht es Felix zunächst leicht, lässt sich kuscheln, spielt mit ihm, frisst auch ein paar Körner, um ihn zu beruhigen.

    Als seine Menschen aber nach fünf Tagen – ungerechnet in Katzentagen: zwei Monate! – noch immer nicht kommen. Erteilt Iby Felix eine Lektion. Um zu zeigen – um Katerflüsterer zu sein, bedarf es mehr, als zwei Mal am Tag ein bisschen Futter und Sprüche abzuwerfen.

    Nun also, auch heute zunächst die routiniert freundliche Begrüßung, das Aufschlecken des Nassfutters und natürlich: Spielen mit Felix, der dafür Leckerli gibt. Doch dann, als Felix sich umdreht und die Katertoilette säubert, schleicht Iby sich weg.

    Und Felix so: Ruft ihn. Sucht. Wartet. Sucht. Lockt. Wartet. Kriecht suchend über den Boden. Lockt. Iby ist gut verborgen. Und Felix – blind. Verzweifelt. Sucht einen Ausweg: Macht überall das Licht aus, geht ins Treppenhaus und lässt die Eingangstür laut ins Schloss fallen. Zählt bis 30, um dann wieder aufzuschließen.

    Und wer steht hinter der Tür: Iby. Felix glücklich: Er war bestimmt müde, verträumt. Und ich denke so: Alta, Du raffst nichts. Iby reagiert so, weil: Du NICHT bei ihm landest, er ist sauer, weil er KEIN Eremit sein will. Es ist die List des Katers, die seine Lust ist. Manchmal.

    So tun als ob. Um etwas auszulösen. Macht auch die Industrie, die vegane Lebensmittel produziert. Und das Veggie-Produkt dann bewirbt und verkauft mit dem Zusatz: Wurst, Schnitzel oder Burger. Was einige nicht so toll finden. Warum? Veggie-Produkte hätten nicht die gleichen Nährwerte wie die tierischen Originale. Es gebe Verwechslungsgefahr. Findet auch die Mehrheit im EU-Parlament.

    Tatsächlich! Damit befasst es sich. In Zeiten der Kriege. Anstatt vielleicht darauf zu achten, dass so manche Produkte in dergleichen Verpackung immer weniger Inhalt haben und dann sogar teurer werden. Verbrauchertäuschung? Nun ja, Bezeichnungen sind natürlich auch wichtig. Oder auch nicht. Denke ich so. Und lerne: Begriffe wie Veggie-Burger oder Soja-Schnitzel soll es bald nicht mehr geben. Und ich denke so: Als ob. Als ob jemand aus Versehen Tofu-Würstchen kauft, weil er glaubt, sie seien aus Schweinefleisch.

    So doof ist nicht mal Mensch. Obwohl ich verstehen kann, auf Fleisch zu stehen. Bin ja selbst leidenschaftlicher Fleischfresser. Was mir schon ein schlechtes Gewissen verursacht. Aber: Es liegt in meinen Katergenen. Ich kann nicht anders.

    Und so futtere ich das Hähnchenfilet, das mir Holger eben angebraten hat. Und dann taucht Coco hinter mir auf. Gibt mir – subtil – das Gefühl, auch etwas vom Fleisch haben zu wollen. Sie pirscht sich an mir vorbei. Zum Napf. Und ich denke so: Soll sie. Ich will Peace. Und finde Teilen toll.

    Sehe dann, wie sie zurück hüpft. Und erinnre mich: Ach ja, habe ja selbst alles aufgefuttert. Pech für sie. Zum Glück kann sie keine Gefühle zeigen. Abgesehen von den Krallen, die sich kurz danach in meinem Wanst verfangen haben. Ihre Krallen. Wenig subtil… Und meine hohen Erwartungen an Katze stürzen ein.

    Sagt der Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und nun: Gute Nacht. Chillt. Doch. Einfach. Mal.