Monat: September 2025

  • 20. September 2025

    Celebrate Youth und die Wucht von Fridays for Future

    Celebrate youth! Es ist unglaublich, herrlich. Diese Kraft. Die mitreißt. Energie ohne Ende. Ein einziger Flow. Wie Coco wirbelt. Um mich herum. Um ihre eigene Achse. Sprung. Sturz. Und schon wieder in der Luft. Ich lasse mich mitreißen. Von dieser ungestümen Wucht. So krass. So geil.

    Auch der Alte ist beeindruckt. Von Coco. Und ihrer Unbekümmertheit. Die so krass groovt. Und tatsächlich, heute ist Felix endlich auch mal wieder beeindruckt von Menschen. Junge Menschen. Die ähnlich leidenschaftlich, wild und frei wie Baby Coco sind.

    Heute war Fridays for Future. Am Samstag. Kundgebungen und Demos weltweit, auch in Berlin. Mitorganisiert vom Cousin meiner Bruna, von Karl. Und Felix? Ist mittendrin. In der Jugend. Enthusiasmiert. Von dieser. Offenbar, weil er sieht: Diese hat ein echtes Anliegen. Für eine bessere Welt. Brennt dafür. Und reißt mit. Mit ihrem Elan. Ihrem Willen, ihrer Hoffnung, ihrer sympathischen Coolness. Rund 4.000 Menschen sind gekommen. Erwartet worden waren 1.500.

    Sie kämpfen für mehr Klimaschutz. Für erneuerbare Energien. Gegen fossile Brennstoffe. Gegen Gas. Die Bewegung ist nicht nur jung. Sondern auch weiblich geprägt. Aber: Es sind nicht nur junge Menschen, die Felix mitreißen. Nein, es sind auch Opas und Omas gegen Rechts dabei – wie er. Und Eltern for future. Und Naturschutzorganisationen wie der BUND oder WWF.

    Und Promis, wie Grünen-Chef Felix Banaszak oder die Aktivistin Carla Reemtsma, die auf der Abschlusskundgebung ruft: „Wir ziehen die rote Linie gegen immer mehr Klimazerstörung. Wir sind der Wandel.“

    Sie alle laufen durch die Friedrichstraße, vorbei an Ferraris und Rolls-Royce-Karossen. Und an Fastfood-Läden, in denen auch gelangweilte und krass aufgemotzt gestylte Jugendliche rausglotzen. „Was ist denn das?“ Fragen sie. „Demo eben. Voll öde.“ Sagen sie. Zupfen ihre Augenlider. Und stürzen sich einen Red Bull herunter.

    Während neben ihnen der Schlachtruf dröhnt: „Unsere Zukunft ist nicht verhandelbar.“ Und: „Climate justice, now.“ Und: „Erneuerbare Energien.“ Und: „Klimaschützen ist kein Hobby, nieder mit der Gaslobby.“

    Die Klimaschützer lassen sich nicht aufhalten. Schreien ihr Anliegen in die Welt. Viele Passanten bleiben stehen. Applaudieren. Einige laufen mit. Mitgetragen. Von der Welle. Und Karl glücklich: „Man hat uns totgesagt. Wir leben noch, Klimaschutz interessiert doch noch.“

    Und dann schreit er: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut.  Wir haben die Hoffnung nicht verloren, dass es sich noch wenden kann. Und irgendwann werden wir in einer klimagerechten Welt leben, Leute.“

    Mich hat es tatsächlich auch erwischt. Es gibt Plakate mit der Aufschrift: „Save the Earth. It’s the only Planet with Cats.” Recht haben sie. Die Menschen. Coco rast mich um. Ich sie. Ich liebe Jugend. Diese Kraft. Diese Reinheit. Bin im Flow. Groß. Und ich fliege mit. In die Jugend. Hoffnung. Endlich. Youth!

  • 19. September 2025

    Schwankende Matratzen und Cancel-Culture

    Angst fühlt sich nie gut an. Obwohl sie natürlich lebensrettend sein kann. Weil sie dafür sorgt, nicht zu große Risiken einzugehen. Und notfalls zu fliehen. Jüngstes Beispiel: Ichkraxle so auf die an die Wand gelehnte Matratze. Coco sitzt unter mir, mich anhimmelnd. Nicht lange, denn sie antizipiert Gefahr, als das Ding mit mir zu schwanken beginnt. Bekommt Schiss, macht einen krassen Hechtsprung zur Seite, bevor ich mit Matratze neben ihr niederknalle. Bass erstaunt.

    Diktatoren erzeugen bewusst Ängste. Um Gegner einzuschüchtern und sich an der Macht zu halten. Und auch: Weil Verängstigte Schutz, Orientierung und möglichst einfache Antworten suchen. Die sie dann – vermeintlich – bei starken Anführern glauben zu finden. Beispielsweise bei US-Präsident Trump.

    Mit der Angst-Masche versucht er auch, die Medien unter seine Kontrolle zu bringen. Er droht Entlassungen und Lizenzentzüge an – und setzt darauf, dass sich deswegen einige Journalisten eine Selbstzensur auferlegen – um nicht Opfer zu werden. Denn: Wer nicht spurt, dem kann es dann so ergehen, wie dem eben suspendierten Nate-Night-Talker Kimmel.

    Auch hierzulande schreitet die Polarisierung voran. Da ist eine Jung-Journalistin namens Julia Ruhs. Die bewusst die konservative Seite bespielt. In einem Talk namens „Klar“. Jetzt ist es zu einem Eklat gekommen, weil die Sendeanstalt NDR nicht will, dass sie da weitermoderiert. Kritiker werfen ihr Rechtspopulismus vor. Nachdem sie unter anderem die Brandmauer gegen die AfD kritisiert hatte.

    Und jetzt: Aufschrei. Das sei Cancel Culture der öffentlich-rechtlichen Sender. Monieren die eine. Das sei zutiefst enttäuschend, moniert die Betroffene, die immerhin für den Bayerischen Rundfunk weitermachen darf. Während die Gegenseite über gelebte Programmfreiheit jubelt.

    Und ich frage so: Puuh, ist das alles verbittert. Verhärtet. Und emotionalisiert. Während zugleich die Journalistin Dunja Hayali eine rechte Hasswelle aushalten muss. In der ZDF-Nachrichtensendung „heute journal“ sagte sie nach dem Tod des rechten Trump-Influencers Charlie Kirk: „Dass es nun Gruppen gibt, die seinen Tod feiern, ist mit nichts zu rechtfertigen, auch nicht mit seinen oftmals abscheulichen rassistischen, sexistischen und menschenfeindlichen Aussagen.“

    Die Aussage ist belegt. Aber: Es ist gefährlich geworden, sich in der Öffentlichkeit zu positionieren. Weil die Hasswelle prompt folgt. Um einzuschüchtern. Vor allem, wenn man dann auch noch wie Hayali Migrationshintergrund hat und lesbisch ist. Offenbar.

    Und ich springe von der Matratze ab. Bin weich gelandet. Auf zu Coco. Die längst keine Angst mehr hat. Weder vor der Matratze noch vor mir. Und gechillt da liegt. Gute alte Angst.

  • 18. September 2025

    Framing, Toben und Zensur in den USA

    Wenn ich geframt werde und Felix immer wieder fälschlicher Weise behauptet, ich würde mich wegen Cocos Ankunft in meinem Revier wie ein beleidigter Kater tumb zurückziehen, würde ich ihm am liebsten eine mit der Pfote patschen. Mit ausgezogenen Krallen. Um ihn mundtot zu machen. Weil das Quatsch ist. Und er mir ein Image verpasst, das ich nicht mag. Und das nicht stimmt. Ich bin weder stoffelig noch beleidigt, eifersüchtig oder gar ein Sensibelchen. Sondern einfach nur vorsichtig. Weise eben. Und weiter extrem aktiv. Kommunikativ. Verspielt. Really.

    Und ich wundere mich mal wieder, wie wenig Mensch zur Selbstreflektion fähig ist. Sie selbst – meine Leute – stellten sich noch vor wenigen Wochen sowas von an. Und weinten, weil ihre Intimsphäre weg sei. Als der 17-jährige ukrainische Flüchtlingsjunge Denis bei uns wohnte. Nur für sieben Monate. Bis Mai. Und sie so – jammernd: „Ach, das halten wir nicht aus.“ Während in seiner Heimat die Raketen einschlagen. Nun, ich dagegen bin offen. Zu Coco. Lasse mich provozieren. Von ihr. Zum Spiel. Toben. Ist. Nice. Really.

    Ja, Framing –  also durch gezielte Wortwahl die Wahrnehmung anderer zu „rahmen“ und zu beeinflussen – ist so eine Sache. Diktatoren machen das, um ihre Sicht der Dinge durchzusetzen. US-Präsident Trump macht das. Was sein Recht ist. Aber er versucht nun, auch die Medien so hinzukriegen. Dass sie nach seinem Gusto berichten. Wie er das macht? Indem er alle Medien und Journalisten, die ihn kritisieren, als linksradikal brandmarkt. Und dann versucht, sie zu bestrafen.

    Ein paar Beispiele: Bereits im Februar verwehrte er der renommierten US-Nachrichtenagentur Associated Press den Zutritt zu Pressekonferenzen ins Weiße Haus. Weil die sich geweigert hatte, den Golf von Mexiko fortan – wie von ihm befohlen – Golf von Amerika zu nennen. Really. Auch andere Medienvertreter flogen aus dem Regierungssitz, dafür erhielten rechtsgerichtete Vertreter von Onlineportalen Zutritt. Öffentlichen Rundfunksendern strich Trump bereits zugesagtes Geld.

    Vor wenigen Tagen verklagte Trump die US-Flaggschiffzeitung „New York Times“ auf 15 Milliarden Dollar Schadenersatz, weil diese ihn vor der Wahl 2024 unfair behandelt habe. Really. Unfair. Sagt Trump. Und klingt damit wieder mal wie ein Kind auf dem Spielplatz. Das einem anderen heulend vorwirft: „Du bist so unfair. Hast meinen Bagger weggenommen.“

    Nun setzt der Sender ABC – unter Druck von Regierungsbehörden – vorläufig die beliebte Late-Night-Show mit Starmoderator Jimmy Kimmel ab. Der hatte zuletzt Trumps Make-America-Great-Again-Bewegung in Zusammenhang mit dem Attentat auf Trump-Unterstützer Charlie Kirk kritisiert. „Tolle Neuigkeiten für Amerika“, jubelt Trump auf seiner Plattform Truth Social. Und fordert, weitere Shows ihm unliebsamer Moderatoren abzusetzen.

    Weniger tolle Nachrichten sind das für die Meinungsfreiheit. Denke ich so: Zensur in den USA. Würde ich nicht dulden. Und zeige es allen. Tobe krass mit Coco rum. Spüre ihre Pfote in meinem Face. Ach Baby, denke ich so. Und dann stehe ich über ihr. Lege die Pfote auf sie. Strike. Alles ruhig. Und Sieg.

  • 17. September 2025

    Hunger, Nuria in Rom und Israels Offensive

    Hunger ist die größte Antriebskraft. Eigentlich für alles. Wieder mal eindrucksvoll zu sehen. Bei unserem Baby Coco. Sie ist auf Nahrungssuche. Überall. Erforscht dafür neue, ihr unbekannte Wege. Auch über den Espresso-Automaten. Und der Weg. Ist tatsächlich ein guter. Denn er führt direkt: Zur Dose mit den Super-Leckerlis. Leider, leider: Verschlossen.

    Enttäuschung? Frust? Bei Coco? Fehlanzeige. Vielmehr Action. Dazu gleich mehr. Vorher will ich vom anderen Hunger erzählen. Vom intellektuellen Hunger. Mein Beispiel hierfür: Meine Nuria. Sie ist mittlerweile in Rom angekommen. Will dort ihr Italienisch verbessern. In einer Sprachschule, drei Wochen. Alles finanziert von ihrer Studienstiftung. So weit, so nice.

    Zwar sei es nicht einfach, auf Italienisch zu erklären, warum viele Linke gar nicht so frei in ihrem Tun seien, wie sie vorgäben, erzählt Nuria. Weil eben ihre eigenen Vorgaben sie einschränkten. Und sie mit der von ihnen bei anderen geforderten Toleranz bei sich selbst oft Probleme hätten. Und you see: Das Thema ist selbst auf Deutsch komplex. Sie habe es aber doch hinbekommen, stotternd, auf Italienisch, ihre Meinung darzulegen, sagt Nuria.

    Lernen durch Sprechen. Auch wenn sie keine Ahnung von der Grammatik habe. Das werde dann schon kommen. Glaubt sie. Und der Glaube, der kann Berge versetzen. Weiß schon die Bibel. Oder so.

    Nun, lasse pronto das ich stehen so mal. Man versteht mich ja auch so… Und ich wage es kaum, jetzt diesen Sprung zu machen – mache es aber doch, bin ja ein Kater. Also: Der von mir geschilderte „Wohlstandshunger“ hat naturally nix mit echtem Hunger zu tun. Mit dem, den die Menschen im Gazastreifen aushalten müssen.

    Die Israelis haben vor zwei Tagen tatsächlich ihre Bodenoffensive auf die Stadt Gaza gestartet, wo noch Hunderttausende Menschen verharren. Viele von ihnen können gar nicht fliehen. Weil ihnen das Geld fehlt. Um beispielsweise für Leihwagen zu bezahlen.

    Und ich denke so: Hoffentlich stellt mich jetzt niemand in die antisemitische Ecke. Weil ich das Leid der Palästinenser referiere. Ohne zu sagen: Auslöser des Kriegs war das grausame Massaker palästinensischer Terroristen am 7. Oktober 2023. Und nun wollen die Israelis die islamistische Terrororganisation Hamas vernichten. Die Tunnels unter der Stadt Gaza zerstören.  

    Ich kann nur sagen:  Ich bedauere. Alle. Opfer. Von denen die meisten überhaupt nichts dafür können, in diese grausame Lage gekommen zu sein.

    Zurück zu Coco. Deren Auge wieder glänzt, deren Nüstern wieder frei sind. Nach der Tierarzt-Spritze gestern. Action also. Sie ist schlau. Wischt mit der Pfote gegen das Leckerli-Glas. Das dröhnend auf den Boden kracht., Und sich entlädt. Festschmaus also. Für sie. Aber auch für mich. Dank. An. Sie.

  • 16. September 2025

    Über Vorbilder und weinende Kanzler

    Komisches Wort: Vorbild. Was dann wohl ein Nachbild ist? Nun – klar weiß ich, was ein Vorbild ist. Etwas, was man cool findet, dem man nacheifert. Allein: Ich habe sowas naturally nicht. Bin es nur. Sach ich mal in aller Bescheidenheit. He he. Denn Baby Coco. Will wie ich sein. Ahmt mich nach. Faucht. Wie ich. Es ihr beigebracht habe. Löwe eben.

    Diego hat in Brasilien ebenfalls ein Vorbild gefunden. Erzählt er. Seinen Kite-Surf-Trainer. Ein 25-jähriger Franzose, der wie Diego auch Sport studiert. Der sommers am Atlantik Kite-Kurse gibt und winters in den Alpen als Skilehrer arbeitet. Traum, Alta. Sagt Diego. Und ich denke so: Als ob ich Sonne, Leckerli, Chillen und meine Bruna gleichzeitig hätte. Oder so.

    Coco sitzt über mir. Auf dem Küchentisch. Hat gelernt – wer oben ist, ist Boss. Und das ist sie: Löwe eben. König der Tiere. Die sich aber auch zusammenreißen können:  Eben hat sich Coco beim Doktore eine Spritze abgeholt. Mit Antibiotikum. Gegen das tränende Matschauge. Und da war sie vorbildlich brav war. Erzählt meine Bruna.

    Auch beim Deutschland-Boss, Bundeskanzler Merz, tränte das Auge. Bei der Wiedereröffnung einer Synagoge gestern Abend zeigte er sich emotional – und weinte, als er an die Verbrechen der Nazis erinnerte.

    Ich kann nicht weinen, obwohl ich es so gerne so manches Mal wollte. Und denke so: Stark, wenn Politiker mal nicht so rational sind. Und Gefühle zulassen. Ein bisschen wie damals Willy Brandt. 1970 beim Kniefall von Warschau. Eine Geste der Versöhnung zu Polen. Mein. Auge. Tränt. Nicht. Auch wenn ich es will.

    Gefühle. Haben meine Alten heute auch. Für einen Löwen. Einen Menschen-Löwen. Der heute starb. Ein Idol. Robert Redford. 89.

    Sie sagen, er sei ein charismatischer, einzigartiger Schauspieler gewesen. Seine Kollegin Meryl Streep bezeichnet ihn als Löwen. Dabei war er eigentlich Pferdeflüsterer. Wenn man seinen Filmen glauben darf. Sicher sei, sagen meine Leute: Er sei ein mutiger Rebell gewesen.

    Und nun: Kommt Coco zu mir. Will mich hauen. Und ich denke so: Nein danke. So kopieren muss sie ihr Vorbild – mich – doch nicht. Und zucke zurück. Biete ihr ein Küsschen an. Vorbildlich. Eben.

  • 15. September 2025

    Über das Vergessen und die AfD

    Vergessen ist eine Gnade. Wer könnte ertragen, sich immer daran zu erinnern, was so geschehen ist. Wenn ich da mal bei mir beginne: Motten nicht nur töten, sondern zuvor quälen, meinen alten Kompagnon Moro piesacken, an den Beinen von meiner Bruna kratzen. And so on. And so on. Besser vergessen. Statt mich mit ohnehin verfälschten Memories zu quälen. Und die Menschen erst. Die vergessen – Kriege, Genozide, Morde, Lügen…

    Vergessen ist aber auch irgendwie traurig. Weil eben alle vergessen. Und daraus folgt, dass es die Wahrheit über die Vergangenheit nicht gibt. Weil jeder seine eigene hat. Und sie – diese Wahrheit – für richtig hält. Memories – absolut subjektiv. Und damit gefährliches Konfliktpotenzial.

    Ein banales Beispiel: Bis kurz vor seinem Tod vor zwei Monaten wollte ich mit Moro spielen, spielen, spielen. Oder zumindest kuscheln. Mit ihm. Er nicht. Er wollte chillen, chillen, chillen. Und seine Ruhe. Vor mir. Und ich dachte so: Was ich Gesellschaft mit Katzen vermisse. Was ist das für ein Stoffel-Kater, dieser Moro…

    Jetzt ist Klein-Coco da. Rast um mich herum. Wirft sich auf mich. Und ich? Hocke da wie eine Sphinx. Beobachte nur. Weise sie Moro-like ab. Als ob ich nun Moro und sie mein Ich vor zwei Monaten wäre. Damals dachte ich so über Moro, der mit seinen fünf Lenzen ja auch noch jung war: Was ist das denn für ein Bock – ähh, Kater? So will ich nie werden. So bin ich nun. Trotz Memories.

    Vielleicht ein besseres Beispiel: Über Menschen. Immer mehr Deutsche wählen Rechtsextremisten. Offenbar ohne zu reflektieren, dass es die Nazis vor gerade mal 80 Jahren waren, die einen Weltkrieg entfachten und sechs Millionen Juden ermordeten. Diese Wähler rechter Parteien wie der AfD vergessen. Offenbar. Extrem schnell. Oder aber: Sie wussten nie.

    Oder im Privaten: Beispielhaft ein Streit zwischen Nuria und meiner Bruna. Über meinen Namen. Nuria sagt, der sei ihre Idee gewesen, sie habe vor gut drei Jahren Charlie vorgeschlagen. Bruna ist entsetzt. Entrüstet. Nein, das sei ihre Idee gewesen.

    In den eskalierenden Streit übers Recht-Haben mischt sich ihre Mutter Laura ein: „Mädels – es war meine Idee, erinnert euch mal, ich habe das vorgeschlagen, weil er doch ganz in der Nähe von Checkpoint Charlie geboren wurde.“

    Vattter Felix sitzt nur da. Und ich sehe, dass er denkt, dass mein Name natürlich seine Idee gewesen sei. Während ich weiß: Charlie. War. Ich. Schon. Immer. Hehe.

    Puuh, alles immer so emotionalisiert. Sicher ist: Der Name Coco  war Nurias Idee. Bruna war für Luna. Laura und Felix für Chaplin. Der Name Coco setzte sich durch. Zum Glück. So war es. Really. Schwarz auf Weiß hier nachzulesen. Während ich Coco beobachte. So sweet. Wie sie langsam die Welt erobert.

    Auf meinem Stuhl liegend. Auf Felixens Zeitung posierend. Auf meinem Tisch-Sonnenplatz. Hach. Ich vergesse alles einfach. Macht es einfacher. Zum Chillen. Moros Trick. Übrigens.

  • 14. September 2025

    Über Angst und Drohnen über Polen

    Es ist nicht das Schlechteste, einen Kompagnon zu haben. Jemand, der hinter einem herläuft. Einen anhimmelt. Nachahmt. Einfach da ist. Wie Baby Coco. Tatsächlich spüre ich Wärme in mir. Wenn sie zu mir auf den verbotenen Sessel – weil antik und so, you know? – kommt. Und mir tatsächlich Sicherheit gibt. Und sowas wie Stärke. Offenbar: Weil ich nicht allein bin.

    Achtung, liebe Leserin, lieber Leser: Katersprung zur Nato. Nun, das westliche Verteidigungsbündnis ist da ja irgendwie sowas wie ein Vorbild für mich. Da haben sich verschiedene Staaten zusammengerafft, um sich gegenseitig Sicherheit zu geben. 

    Mit einer so called Beistandsverpflichtung. Was so viel heißt: Wenn einer der derzeit 32 Partner angegriffen wird, helfen ihm die anderen. Das soll potenzielle Feinde abschrecken. Wie beispielsweise Kremldespot Putin.

    Trotz des Bündnisses: Im Westen regiert der alte Affe Angst. Warum eigentlich Affe? Wahrscheinlich, weil Angst an einem haftet wie ein Affe. Oder Kater? Egal: Die Leute haben Angst vor Krieg. Und dass sie in einen solchen ziehen müssen. Wobei dann der größte und wichtigste Nato-Partner, die USA, vielleicht gar nicht hilft. Wenn es zu einer Eskalation kommt. Mit eben diesem Putin-Russland.

    Das Vertrauen in die USA unter Präsident Trump ist weg. Weil der wankelmütig ist. Und immer wieder deutlich macht, keinen Bock auf Kriege zu haben. Für die er sich und sein Land nicht zuständig fühlt. Und für wen er sich zuständig hält? Weiß niemand so recht. Kann sich täglich ändern. Mal so, mal so.

    Kremldespot Putin schürt die westliche Angst. Mit Vergnügen. Lässt seine Drohnen über die Nato-Länder Polen und Rumänien fliegen. Löst damit das Aufsteigen von Kampfjets aus. Und Angst. Und ich denke so: Angst lässt verkrampfen. Ist echt doof. Muss weg. Um klar denken zu können.

    Coco ist nice. Ich schlecke über ihr Gesicht. Ihr verträntes Auge. Hat wohl einen Zug bekommen. Oder so. Bruna aber jammert. Hat Angst. „Arme Coco. Katzenschnupfen kann tödlich enden. Sie muss zum Arzt.“ Sagt sie.

    Während die Mutter ihrer besten Freundin – selbst Menschen-Ärztin– meint, das mit Cocos Auge sei nicht schlimm, man müsse es mit Kochsalzlösung spülen.

    Und ich lecke. Und sie schnurrt. Ich bin eben Helfer. Ohne Kochsalz. Dafür mit Heil-Speichel. Und wir beide bleiben feist im Sessel liegen. Selbst als Felix an seinem geliebten Möbel mit ernstem Gesicht vorbeischreitet.

    Wir bilden eine Phalanx, das so called Katzenbündnis Chaco. Felix traut sich nicht, uns zu verjagen. Weil wir zu zweit sind. Gemeinsam. Sind. Wir. Stark. Eben.

  • 13. September 2025

    Über Problemkinder und Durchfall

    Coco hat Durchfall. Und wenn Baby was hat, reagieren meine Leute äußerst empfindsam. Unabhängig davon, ob es Coco nun wirklich schlecht geht oder nicht. Ihr geht es ausgezeichnet. Weiß ich. Denn: Sie jagt mich. Sie frisst mein Nassfutter. Sie klaut meine Angel.

    Trotzdem sind meine Leute ach so besorgt. Um Coco. Und kaufen eine Flasche stilles Wasser. Das Gute. Das Teure. Das Französische. Was sie sich selbst nicht gönnen. Nun, sie lassen es Coco zukommen. Es habe weniger Nitrite. Und es sei pflegend für den jungen Darm. Der Coco. Sagen sie. Und füllen es in den Trinkbrunnen. Really: Trinkbrunnen – hatte ich das schon erwähnt? Dass sie so etwas für sie kauften?

    Mythen eben. Denke ich so. Und schlürfe mein verkalktes Leitungswasser aus dem Napf. Dabei bemerkend, dass meine Leute mir heute schon wieder nicht das eigentlich täglich fällig werdende Würstchen gegeben haben. Scheinen es vergessen zu haben. Haben wohl Wichtigeres im Kopf. Denke ich so. Really: Ja, ohne Verbitterung. Ohne Eifersucht. Really!!!

    Menschen überschätzen sich selbst nur allzu gerne. Um andere zu unterschätzen. Und dann erstaunt bemerken: Hach, hätten wir ja gar nicht gedacht. Von ihm. Von ihr.

    Die Tochter eines Freundes von Felix ist ein sogenanntes Problemkind. Sie ritzte sich, hatte Bulimie, Depressionen, war in psychiatrischer Behandlung, schwänzte die Schule. War Punk. Null Bock auf alles. Drogen. No future. So schien es.

    Und nun, nur zwölf Monate nach dieser Beschreibung, erzählt Felixens Freund, eben diese Tochter habe eben ihr Abi bestanden. 1,2. Werde im Herbst in Berlin ihr Studium starten. Physik. Sie sei ausgezogen. Zu ihrer Schwester in eine WG. Sie kiffe und rauche weiterhin. Nehme dazu Anti-Depressiva. Und sei. Glücklich. Ein Traum. Offenbar. Für Eltern. Really?

    Mir versagen meine Leute mein Anti-Depressivum. Die Würstchen. Glücklich bin ich trotzdem. Und hüpfe auf Coco. Die stinkt. Und dann zu ihrem Trinkbrunnen rast. Das edle französische Tafelwasser schlürfend. Glücklich zu sein scheint. Prost. Denke ich so. Möge es zur Besserung des Darms beitragen.

  • 12. September 2025

    Übers Wachsen und internationale Spannungen

    Alles wächst. Hunger, Fell, Entfremdung. Und natürlich auch Coco. Was kein Wunder ist – bei dem Appetit. Cocos Problem, das sie selbst noch nicht erkannt hat: Der Lieblingsplatz aller Kitten in diesem Revier wird auch ihr schon sehr bald zu klein sein – und damit zur schönen Erinnerung mutieren.

    Denn schon jetzt passt das Riesen-Kitten kaum noch zwischen Laptop, Monitore, Tastatur und Maus. Auf dem Schreibtisch. Auf dem sich die Welt abspielt. Und es so schön klappert. Beruhigend. Da dann auch noch der davorsitzende Mensch so nah ist.

    Komisch eigentlich. Dass auch meine Spezies den Menschen und dessen Nähe schätzt. Denn – so finde ich jedenfalls mit Blick zurück in meine Kindheit: Irgendwie wird alles immer bedrohlicher. Immer schlimmer: Wenn ich heute mit der Zeit vor drei Jahren vergleiche, als ich eben diesen Lieblingsplatz auf Felixens Schreibtisch einnahm, auf dem sich nun Coco rekelt.

    Damals war „nur“ Ukraine-Krieg. Gerade ausgebrochen. Heute tobt der Krieg immer noch. Und droht zu eskalieren. Weil Russland mittlerweile auch Drohnen auf das Nato-Land Polen feuert.

    Damals gab es heftige Spannungen in Nahost. Heute ist brutaler Krieg im Gazastreifen. Israel wird vielfach Genozid an den Palästinensern vorgeworfen. Zehntausende Tote. Sehr viele Kinder darunter. Hunger. Zerstörung. Und Israel feuert dann noch Raketen auf den souveränen Staat Katar.

    Damals regierte ein gemäßigter, greiser Präsident die USA. Heute zum zweiten Mal Donald Trump. Der lügt, polemisiert, die Demokratie aushöhlt. Die Gesellschaft wird immer stärker gespalten. Nun wurde der Trump-Unterstützer, der Influencer Charlie – ja, really: Charlie!!!! – Kirk bei einer Rede in einer Uni auf offener Bühne erschossen.

    Der Typ war ein widerlicher ultrakonservativer Faktenverdreher. Viele vor allem linke Menschen jubeln. Ob des Mordes. Und ich denke so: Es gibt keine guten Morde. So etwas zu feiern, spaltet noch mehr. Manche befürchten gar einen Bürgerkrieg in den USA.

    Ich denke auch an Deutschland: Damals warnten viele vor der rechten AfD. Heute greift sie bundesweit in Umfragen den ersten Platz der Union an; in Sachsen-Anhalt könnte sie im kommenden Jahr bei der Wahl Befragungen zufolge die absolute Mehrheit holen.

    Puuuuh. Ich liege unter Felixens Schreibtisch. Unter Coco. Mehr Platz. Mehr Ruhe. Und trotzdem mittendrin. Im Weltgeschehen. Zumindest virtuell. Und ich merke: Wie ich plötzlich schrumpfe. Im Alter. Vielleicht könnte ich eines Tages doch wieder zwischen Laptop und Tastatur passen? Frage ich mich so. Hoffentlich nicht. Beruhigend nur: Auch Hass und Entfremdung – könnten schrumpfen. Oder?

  • 11. September 2025

    Über Grenzen, Katzengras und gemeinsames Kotzen

    Es liegt im Wesen von Menschen, Grenze auszutesten. Wie weit kann man gehen, ohne dass der andere reagiert. Oder nur wenig reagiert. Dieses Verhalten gibt es ganz offensichtlich auch bei meiner Spezies. Schon bei unseren Kleinsten. Kitten. Coco.

    Und hier die Story dazu: Laura bringt mir mein geliebtes Katzengras mit. Absolut lecker. Würgereiz garantiert. Und Coco? Rast an mir vorbei. Und hat ihren Kopf bereits in den Grastopf gesteckt, bevor ich ihn erreiche. Sie grast, lässt mir kaum Raum. Sie spielt mit den Halmen, klammert sie zwischen ihren Krallen fest. Bis der Topf kippt. Toll.

    Sie beachtet mich nicht. Und ich staune. Was soll ich tun? Denke ich so. Eskalieren? Zeigen, wer der Chef ist? Oder abwarten. In der Ruhe liegt die Kraft. Sie ist ja nur ein Baby. Das aber Grenzen braucht. Ganz sicher. Denke ich so. Denn schon bald. Da wird sie groß sein. Sehr groß. Vieler größer als ich. Und dann könnte es zu spät sein, Grenzen zu setzen.

    Grenzen austesten kann sehr gefährlich sein. Vor allem bei den Menschen. Bei Politikern. Und Diktatoren. Russland testet ständig. Ob sich sogenannte rote Linien verschieben lassen. Schießt wieder mal, wie gewöhnlich, Drohnen auf die Ukraine.

    Und hups – da fliegen doch glatt welche nach Polen. Gleich 19 Stück. Auf ein EU- und Nato-Land. Und was machen die Polen? Und die Nato-Verbündeten? Schießen die russischen Dinger ab. Erstmals. Und sind mächtig sauer. Auf Moskau.

    Versteht Russland nicht. Offiziell. Es sei doch gar nicht beabsichtigt gewesen, Polen zu beschießen. Lässt Moskau verlauten. Polen dagegen behauptet, es könne sich nicht um Zufall handeln, es sei ein militärischer und politischer Test der Russen für Polen und die Nato.

    So ähnlich denken auch andere westliche Verbündete. Russland wolle checken, wie die Nato reagiere, wenn Grenzen, bislang geltende rote Linien überschritten würden, heißt es. Wolle sehen, wie Polens Luftverteidigung funktioniere. Und ob die Nato dem Land wirklich beistehe. Im Fall der Fälle verteidigungsfähig sei.

    Ich eskaliere nicht. Weil Coco meine Grenzen ja gar nicht kennt. Irgendwann hat Laura die Töpfe wieder aufgestellt. Coco wird ruhiger. Und ich geselle mich zu ihr. Gemeinsames Grasen.

    Und kurze Zeit später: Gemeinsames Kotzen. Tut so gut. Gesäubert zu sein. Und ich denke so: Exakt 24 Jahre nach den Terroranschlägen des 11. Septembers in den USA haben Coco und ich es geschafft: Die Grenzen sind überwunden. Gewaltfrei.