Über Impfungen und Unterschriftautomaten im Weißen Haus

Sie sitzt wie eine fette Made in meinem Pelz. Lässt sich nicht abschütteln. Also kugle ich mich. Auf sie, auf Coco. Und liege nun auf ihr. Mit ihren Pfoten in meinem Gesicht. Beginnt sie meinen Hals zu lecken.
Und ich muss sagen: Nice. Zwar anstrengend mit ihr. Aber: Nur was anstrengt, entfaltet Tiefe. Emotionale Tiefe. Denke ich so. Kurz bevor sie aufspringt und mir in die Pfote kneift. Coco: Ein Wildfang. Eben.


Der anstrengendste Mensch, den ich so kenne, ist derzeit US-Präsident Trump. Absolut erratisch in seinem Tun und Handeln. Affektgetrieben. Grundsätzlich aber: Boshaft. Ohne jedweden Anstand. Primitiv. Rachsüchtig. Egomanisch. Machtgeil. Lieblingsbeschäftigung: Andere demütigen. Sorry: Aber das musste jetzt mal raus.
Ein kleines Beispiel, das gut illustriert, wes Geistes Kind er ist: Sein erneutes Nachtreten gegen seinen Vorgänger, den schwer erkrankten Joe Biden – dem er ja schon im Wahlkampf vorgeworfen hatte, zu gebrechlich für den Job zu sein.
Nun lässt Trump eine neue Galerie mit Fotos aller US-Präsidenten im Weißen Haus eröffnen. Schwarz-Weiß-Fotos in goldenen Rahmen zeigen die Staatschefs – chronologisch angeordnet. Ein Porträt von Biden – fehlt.


Zwischen den beiden Konterfeis Trumps ist ein Foto einer Unterschriftenmaschine zu sehen – ein sogenannter Autopen, mit dem Präsidenten ihre Signaturen automatisch setzen können. Ein Gerät, wie es heißt, das Präsidenten angesichts der Vielzahl an Unterschriften, die sie leisten müssen, oft nutzen.
Trump behauptet aber nun, Bidens Leute hätten den Automaten eingesetzt, um Begnadigungen unterschreiben zu lassen – ohne dass Biden das genehmigt habe. Beweise für die ehrrührige Behauptung – Fehlanzeige. Aber allein durch das Posten dieser Bilder setzt sich das Narrativ Trumps vom „Sleepy Joe“ weiter fest. Bei seinen Fans. Und jenen, die unsicher sind. Und sich von solchen Erzählungen catchen lassen.


Ich würde immer Fotos von Coco aufhängen. Wenn ich welche hätte. Denke ich so. Auch wenn sie nervt. Demütigen ist kein Rezept. Besser: Zum Tierarzt gehen. Wie heute meine Bruna mit ihr. Zum Checken ihres tränenden Auges. Das zum Glück wieder ok ist.
So ok, dass sie heute ihre Zweitimpfung gegen Katzenseuche bekam. Und wie nice. Kaum ist sie zuhause, springt sich mich zwar erst an – um dann – langsam – zu ihrem Korb zurückzugehen. Sich hineinzulegen. Und zu schlafen. Lange zu schlafen. Ich. Liebe. Impfungen. Und lecke an ihrem Ohr. Wird schon wieder. Denn: Nur was anstrengt, entfaltet Tiefe. Chill, Baby. Ich auch.