Tag: 23. September 2025

  • 23. September 2025

    Provokationen, Ku’damm am Abend und Amalfi in Italien

    Jeder hat favorite places. Meiner ist am Kopfende des Hochbetts meiner Bruna. Sonne, Toppblick in den Hof und vor allem Ruhe zum Chillen – that’s it. Perfekt. Dachte ich. Bis heute, Da kam Coco plötzlich anstolziert. Hatte es erstmals geschafft, die Leiter emporzuklettern. Stellt sich erst vor mich. Provokant. Dann mit den Vorderpfoten auf mich. Eskalierend.

    Ich atme. Tief durch. Und denke so: Provokation ist das ganze Leben. Testen, wie weit man gehen kann. Im Kleinen, im Großen, bei Menschen, bei Tieren.

    Und ich erinnere mich an Straßenszenen am Ku’damm, präsentiert von Laura. Die da kürzlich – am lauen Samstagabend – mit dem Rad unterwegs war. Und einen Radler beobachtete, der seinen Vordermann beim Anfahren leicht touchierte. Dieser Vordermann sei regelrecht ausgeflippt: „Du Idiot“, habe er den anderen angemacht. „Kannst nicht Rad fahren?“ Und der andere: „Hej, sach mal, geht’s noch? Wenn einer es nicht kann, dann du.“

    Provokation – Eskalation. Laura fuhr weiter. Um kurz danach fast umgefahren zu werden. Von einem auf der Busspur extrem beschleunigenden getunten Mercedes, in dem drei junge, arabischstämmig aussehende Männer saßen. Im Wettrennen mit einem Porsche auf der anderen Spur: Insassen: Zwei junge, arabischstämmig aussehende Männer.

    Und ich denke so: Boah, wie rassistisch! Die Beobachtung von Laura aber bestätigt Felix: Es sei wie in einem klischeebeladenen, schlechten Film gewesen: Zig PS-starke Autos hätten auf dem Boulevard quasi promeniert. Die Insassen – meist junge, arabischstämmig aussehende Männer. Voller Testosteron. Und PS. Sagt er. Toxische Mischung. Denke ich.

    Ich frage mich so: Ist Provokation aber vielleicht auch ein Stück Mentalitätssache? Meine Nuria tourt an der Amalfi-Küste in Italien. Ein Freund von ihr fuhr seinem Vordermann mit seinem Auto auf. Leicht. Dieser Vordermann sei ausgestiegen, Kippe im Mundwinkel. „Bei mir ist ja fast nichts passiert, tut mir leid, dass Euer Vorderlicht kaputt ist“, habe er dann lächelnd gesagt. Und sei weitergefahren.

    Provokationen gibt es überall, auch im Großen, in der Weltpolitik.  Erst lässt Kremlchef Putin Drohnen und Kampfjets über Nato-Gebiet fliegen. Dann gab es vor wenigen Tagen einen Hackerangriff auf mehrere europäische Flughäfen. Und nun:  In der vergangenen Nacht legten mehrere Drohnen den Flughafen von Kopenhagen lahm. Ein ähnlicher Vorfall wurde aus Oslo gemeldet.

    Dänemark und Norwegen sind wichtige Unterstützer der Ukraine. Der ukrainische Präsident Selenskyj zumindest scheint sicher: Russland sei der Drahtzieher dieser Attacken.

    Und ich denke so: Könnten Provokationen Putins sein. Um Nato-Reaktionen zu testen. Und – ein weiterer Effekt: Die Bevölkerung der westlichen Staaten wird verunsichert. Die einen schreien: „Schnell aufrüsten“. Die anderen: “Jetzt verhandelt endlich.“ Die Spaltung schreitet voran. Optimal für Putin. Denke ich so.

    Ich bin-  leider – eher ein Schisser – und Appeaser. Auch wenn ich weiß, das kann und wird oft ausgenutzt. Vor allem von Diktatoren. Wie Coco. Aber: Ein Putin ist sie naturally nicht. Sie setzt sich neben mich. Ich lasse sie gewähren. Und wir schauen gemeinsam in die Sonne. Und chillen.